7 Gründe, nicht nach Bolivien zu gehen

21.
November
2015

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Zuerest mal ein paar Eckdaten, weil ich auf Eckdaten stehe und sie nie schaden!

Bolivien liegt in Südamerika, zwischen Paraguay, Argentinien, Chile, Peru und Brasilien. Jede Menge Möglichkeiten zur Einreise sind also gegeben. Die Hauptstadt ist Sucre, Regierungssitz ist La Paz. Gezahlt wird mit bolivianos, auch liebevoll bolis genannt. Neben Spanisch gibt es verschiedene indigene Dialekte, je nach Region. Mit gutem Spanisch kommt man aber überall durch. Mit englisch hingegen nicht.

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  • Du hast was gegen Berge und verbringst deine Ferien immer nur am Meer

Bolivien hat keine Anbindung ans Meer. Dafür kann es den Titicacasee bieten, ein großes Binnengewässer. Aber er ist viel zu kalt zum Baden, sowohl was Wasser- als auch Außentemperatur betrifft. Strandferien ade! Dafür kann – wer will – dort jede Menge Kultur und Geschichte erleben, zum Beispiel wenn man sich zu den islas flotantes schippern lässt.

P1010380Ein anderes Gewässer, in dem man in wärmeren Gefilden baden kann, wenn man es denn will: Der Amazonas und seine Nebenärme. Einige Touren preisen das Schwimmen mit rosa Delfinen an, direkt nach Piranhas-Angeln. Nicht ironisch! Wundert ihr euch, dass ich auch dort lieber nicht baden wollte? 😉 Fakt ist aber: Es geht. Und noch viel besser: Beide Tierarten gibt es tatsächlich! Und mit viel Glück kann man sie wirklich sehen…

Das wäre also geklärt: Kein Meer. Dafür: Berge! Schließlich ist Bolivien das höchstgelegene Land auf der ganzen Welt. La Paz wird von mehreren Bergen eingerahmt, der Illimani ist mit seinen sechstausend der Höchste…P1010372

Hach, was für ein Ausblick…

  •  Ohne Shoppingcenter kannst du nicht leben

Durch Hochglanzarkadenbummeln, an Schaufenstern hängen und Sachen bewundern, die eigentlich zu teuer sind, aber du bist ja im Urlaub… Wenn das für dich zu ner gelungenen Reise dazu gehört, solltest du definitiv nicht nach Bolivien.

Dort ist nämlich alles ein bisschen anders!

Fokus auf La Paz: Hier ist die ganze Stadt ein einziger mercado! Man kann einfach ALLES auf der Straße kaufen! Technik, DVDs en masse, Sonnenbrillen… Mit Klamotten siehtsn bissle anders aus. Die meisten Frauen tragen traditionelle Röcke und um den cemenatrio rum findest du jede Menge nGeschäfte, die diese Röcke verkaufen. Klar, es gibt auch Frauen, die „normal“ rumrennen und „normale“ Geschäfte. Sind aber schwerer zu finden und entsprechen nicht gerade unseren Standards.

Stattdessen kann man fantastisch über den Silbermarkt, den Hexenmarkt und die Sagarnaga flanieren und sich dabei so fern von allem gewohnten fühlen wie nie. Weil man so fern von allem Gewohnten ist wie sonst nirgends… Hach, der Hexenmarkt…

Wie gerne erinnere ich mich an einen Tag, den ich mit zwei artesanios an ihrem Stand verbrachte und mich stundenlang mit ihnen unterhielt, während sie ihre Bändchen verkauften. Was es nicht alles für Geschichten gibt, die erzählt werden müssen!

  •  Du übernachtest nur in edlen Hotels

P1010184Dann kannste Bolivien knicken. Um es kurz zu machen: Es gibt verdammt viele Unterkünfte, edel ist so wirklich keine. Weil Bolivien nicht edel ist. Punkt. Freunde dich also mit dem Gedanken an Hostels an – dort gibts ja auch Zweier- und Einzelzimmer – oder lass es bleiben.

  • Du kannst deine Essgewohnheiten nicht anpassen

Du stehst total auf westliches Essen und findest es geil, auf der ganzen Welt Burger in dich rein zu stopfen? Das ist in Bolivien mit das Gefährlichste, was du essen kannst. Weil: Hackfleisch wird natürlich nicht so hygienisch zubereitet wie in Europa und nicht immer lange genug gebraten. Was es verdammt gefährlich macht.

Nun ist es leider auch so, dass Bolivien ein Land ist, in dem Hygienestandards und -vorschriften insgesamt ganz anders geschrieben werden. Man sollte also insgesamt vorsichtig sein. Kein Streetfood. Außer du hast ne gute bolivianische Freundin, die dir ein paar sichere Lokale zeigt. Oder du hast Glück und hast n Magen wie n Pferd – doch selbst dann kann dich Bolivien fertig machen und ins Krankenhaus zwingen.

Die ganzen Jogurts in Tüten, die überall verkauft werden? Und du denkst dir: Feine Sache, ist ja abgepackt! Denk das NICHT. Desinfiziere vorm Essen die ganze Jogurtpackung mit feuchten Tüchern, vor allem die Stelle, an die du dann deinen Schnabel hängst. Natürlich nicht direkt nachm Desinfizieren, also nimm am besten immer Klopapier überll hin mit, denn du wirst es garantiert brauchen.

Auch sonst ist das Essen anders. Ich hab eine ganze Weile das Glück gehabt, bei meiner Seelenschwester Cale und ihrer Familie zu wohnen und hab deshalb mit ihnen gekocht, mit ihnen eingekauft, hab mich durch die Straßen leiten lassen…

Mein Lieblingsessen: Lama mit Süßkartoffeln. Papayasaft. Der wird übrigens selbst zuhause nur mit abgekochtem Wasser oder Wasser aus Flaschen zubereitet. Draußen also lieber keinen Saft trinken! Tostón – gebackene Kochbananen – gehören zum intensivsten Essens-Erlebnis. Hhhhhmmmmm….

  •  Du verabscheust Busreisen

In Bolivien hast du kaum eine andere Möglichkeit, um von A nach B zu kommen. Es gibt sehr teure Flüge, in Maschinen, die mir nicht sicher erscheinen. Für mich blieb also der Bus. Es gibt Busterminals für Backpacker und Terminals für Einheimische. Beide sind billig, Busse für Einheimische noch billiger, sie kosten also fast nichts. Dafür findet man sie ohne Einheimische auch nicht.

So oder so: Beide Arten von Bussen sind alles andere als komfortabel und mit den Toiletten ist es auch so ne Sache… Immer vor der Abfahrt nochmal gehen. Hilft auch nicht so viel, aber besser als nix. Und immer deine Sachen im Handgepäck festklammer, nicht einfach den Rucksack auf den Boden stellen und damit hat es sich. Dann ist er nämlich vielleicht weg.

Auf einer Fahrt von La Paz nach Rurrenabaque teilte ich mir einige Stunden zwei Sitze mit drei Kindern, einem Mann, der schlafen wollte, und seinen zwei Hühnern. Wenn du von vornerein denkst, dass das für dich nicht in Frage kommt: Geh. nicht. nach. Bolivien. P1010128

Auf der anderen Seite: Ich erzähle so gerne von meinen Hühnern als Sitznachbarn 🙂 Jedes Mal, wenn ich an diese eine Fahrt denke, muss ich schmunzeln.

  • Für Mythen und Legenden hast du auch nichts übrig

Ganz Bolivien ist voller Legenden und Mythen. Das geht los bei den Minenarbeitern, die Pacha Mama mit Hochprozentigem besänftigen und ihr weitere wertvolle Geschenke bringen. Weiter geht das bei den Geschichten, die sich überall finden: Der Illimani beispielsweise schlug einem Berg den Kopf ab, der größer werden wollte als er.

Bolivianer erzählen diese Geschichten nicht, wie wir Märchen erzählen. Sie glauben an diese Geschichten.

Und schließlich hat eigentlich jeder Bolivianer, der etwas auf sich hält, eine enge Beziehung zu seiner Wahrsagerin. Sie liest dir aus der Hand, legt dir die Karten… Du darfst im Gegenzug niemandem sagen, was sie dir gesagt hat. Sie weiß aber garantiert alles über dich. Natürlich brauchst du eine gute, keine, die dir einfach so auf der Straße entgegenkommt. Sie muss dir empfohlen werden und du musst ihr empfohlen werden. Kein Witz. Ich war zum Beispiel nicht bei einer, weil ich „einfach noch nicht so weit war“. Tja, wo sie recht hatten…

Aber: Auch daran glauben die Bolivianer. Aufklärungsarbeit oder rationale Diskussionen sind hier völlig fehl am Platz. 2010-11-05 21.38.55

  •  Du hast keine Zeit

Wenn du eines für Bolivien brauchst, ist es Zeit. Das hängt nicht nur mit den Busreisen zusammen, die ewig dauern können (einmal war ich statt 12 Stunden einfach mal 18 Stunden unterwegs), sondern auch damit, dass Bolivien das höchste Land der Welt ist. 2010-11-06 20.21.18

Heißt: Dein Körper braucht Zeit, sich zu akklimatisieren. Vor allem am Anfang wirst du es merken, schon nach ein paar wenigen Schritten hast du keinen Atem mehr. Für Fußwege in LP wirst du ewig brauchen und nach einer Pause lechzen. Zu viel Bewegung am Anfang geht gar nicht.

Heißt: Erwarte nicht, anzukommen und sofort dein übliches Touri-Programm ab zu spulen. Dein Körper wird dir einen ordentlichen Strich durch die Rechnung machen.

Und die Höhenkrankheit ist nicht gerade besonders spaßig: Stechende Kopfschmerzen, Schwindel, Fieber…

Vorsorgen kannst du außerdem durch gaaaanz viel trinken, auch Koka-Tee trinken oder Koka-Blätter kauen, langsam und leicht essen, Suppen und Hühnchen, nichts Fettiges.

IchWarst du schon in Bolivien?

Wie hast du es erlebt? Oder möchtest du gerne nach Bolivien?

Welches Land hat dein Herz gestohlen, aber du würdest es trotzdem nicht jedem empfehlen?

 

 

 

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