Blogparade: Eine Reise, eine Freundschaft

31.
Oktober
2016

19 Kommentare

Johanna ruft zur Blogparade auf und ausnahmsweise bin ich früh dran, bis Mitte Dezember kann man hier noch mitmachen!

Das Thema finde ich super und könnte passender nicht sein: Eine auf Reisen geschlossene Freundschaft. Johanna selbst hat ihren Mann durch eine Reise kennengelernt, ich liebe diese Geschichte! Was es nicht alles für Zufälle gibt <3 Aber ich will nicht ihre Geschichte spoilern, sondern meine eigene erzählen.

2010 war ich drei Monate mit dem Rucksack in Südamerika unterwegs. Alleine. Die meiste Zeit bin ich auch alleine gereist, denn das wollte ich damals unbedingt. Bevor ich aufgebrochen bin, hatte ich meine Route geplant – und sofort in den ersten 2 Wochen in Argentinien wieder über Bord geworfen. Oft bin ich Empfehlungen gefolgt, Tipps, die ich zufällig irgendwo aufgeschnappt hatte.

So bin ich auch in der Salzwüste, der Salar de Uyuni, zwischen Chile und Bolivien gelandet. Ursprünglich stand nicht mal Bolivien auf meinem Plan, aber die Salar de Uyuni wollte ich mir dann doch nicht mehr entgehen lassen. So fand ich mich in der kleinen Stadt San Pedro de Atacama am Rande der Wüste, in der alles völlig überteuert war, in einem Reisebüro wieder, um eine Tour zu buchen.

jiwon-und-ich

Der Kunde vor mir sprach mich an. Leo war aus Brasilien und fragte, ob wir nicht zusammen buchen wollten, so bekämen wir sicher Rabatt. Gesagt, getan. Noch am selben Abend ging es für uns dann zuerst ins Valle de la Luna, das Tal des Mondes. Eine wunderschöne, surreale Landschaft, perfekte Einstimmung auf den eigentlichen Trip!

Früh ging es am nächsten Morgen los. Leo und ich waren glücklich, wir waren die einzigen Tourteilnehmer, der Guide war super und wir unterhielten uns alle prima auf spanisch. Auf einmal mussten wir nochmal wo anhalten, um jemanden mitzunehmen. Sie hatte woanders gebucht und würde nun zusteigen. Naja, zu dritt wäre immer noch genug Platz im Auto…

… und dann stieg Jiwon ein. Spanisch konnte sie nicht, nur englisch. Leo und ich sprachen weiter auf spanisch, bis dato unsere „Verkehrssprache“. Auf einmal drehte sich Jiwon um und blaffte uns an: „I don’t feel comfortable when you speak Spanish!“ Zu dritt im Auto und dann auf einer dreitägigen Tour – da muss Gezicke nicht sein, also wechselten wir ins Englische. Insgeheim hatte ich Jiwon aber schon gefressen und unter „so eine blöde Kuh“ verbucht. In Südamerika spricht man schließlich Spanisch, das hätte sie halt mal lernen sollen!

Mittagessen in der Wüste. Jiwon isst mehr als Leo, kaum zu glauben!

Nach so einem schlechten Start konnte es nur besser werden, aber dass es so gut würde… In den einfachen Unterkünften, in denen wir die Nächte verbrachten, teilten wir zwei Mädchen uns immer ein Zimmer. Da wir uns in der Wüste befanden und es oft keinen Strom gab, es dafür aber sehr früh sehr dunkel war, hatten wir beide oft ein bisschen Schiss. Also begleiteten wir uns nachts auf die Toilette und redeten abends solange, bis wir einschliefen und uns nichts Gruseliges mehr vorstellten. Auch über Tag auf der Tour hatten wir riesigen Spaß zusammen. Und Jiwon, dieses kleine, zierliche koreanische Mädchen, konnte essen wie ein Scheunendrescher. Wir erzählten uns von Südkorea, Brasilien, Deutschland, unseren Leben, unseren Lieben, warum wir reisten. Abgeschnitten von der Außenwelt verbrachten wir herrliche Tage unter einfachsten Bedingungen.

Der Jeep, in dem wir unterwegs waren, blieb ständig liegen. Der Guide musste goldene Hände gehabt haben, denn immer gelang ihm die Reparatur. Klischeemäßig gab es im Autoradio nur eine Kasette und immer wieder das gleiche Lied: Dejame entrar, en tu vida y en tu corazon… Während den Reparaturen tanzten wir neben dem Auto und jaulten Liebeslieder.

Der Jeep wird repariert…

Leo, der flotte Brasilianer, hatte sich während des ganzen Trips immer wieder spaßeshalber an uns zwei Mädchen rangemacht. So war es uns zumindest vorgekommen, keinesfalls böse oder unangenehm. Wir haben ihn einfach immer abgewiesen. Am letzten Tag dann in Bolivien trug er auf einmal einen Ehering. Wir fragten ihn aus: Ja, er war verheiratet, seine Frau reise aber nicht so gern, blablabla. Jiwon und ich konnten uns vor Lachen kaum noch halten.

Abends fuhren wir zusammen mit dem Nachtbus nach La Paz. Im Lonely Planet wird vor solchen Bussen in Bolivien gewarnt, worst case: Wenn der Bus mitten in der Nacht anhält, werdet ihr garantiert ausgeraubt. Nun, unser Bus blieb ständig stehen. Die ersten Male klammerten wir uns zitternd aneinander, irgendwann registrierten wir es kaum noch. Wir fuhren irgendwo, ganz sicher nicht auf Straßen und ich habe noch nie so eine unbequeme Busfahrt erlebt. Grün und blau von dem Rumgeholper kamen wir morgens in LP an und mussten uns verabschieden.

jiwon-und-ich-als-sandwich

Noch ein Bild aus der Wüste: Der Versuch, bei dem ich das Sandwich bin und Jiwon mich isst.

2010 ist lange her. Wir verbrachten nur ein paar Tage zusammen. Trotzdem haben wir immer irgendwie Kontakt gehalten, Jiwon und ich. Wir haben keine gemeinsame Sprache, aber wir haben so viel zusammen gelacht. Und gegessen. Und vor allem gelacht. 2014 schließlich trafen wir uns wieder, in ihrer Heimatstadt Seoul. Und waren auf ihrer Hochzeit die Ehrengäste – nur 10 Tage nach meiner eigenen Hochzeit.

Sie führte uns durchs coolste Viertel von Seoul und natürlich gingen wir essen. Jiwon ist immer noch klein und zierlich und frisst immer noch wie ein Scheunendrescher. Wir lachten über Leo und seinen Ehering und über alles andere auch. Ich freute mich so, dass sie meinen Herr Pralino kennenlernen konnte, den ich ihr 2010 nur beschreiben konnte.

Seitdem sind weitere Mails zwischen Seoul und Deutschland hin- und hergegangen, denn wir halten uns nach wie vor über unsere Leben auf dem Laufenden: Sie ist umgezogen, war auf Kuba, ihre Firma hatte ne Weile Finanzprobleme… Jetzt ist sie auch schwanger und wenn alles gut geht, komm ihr Baby nächsten Juni. Wenn wir uns dann das nächste Mal treffen, werden wir zu sechst sein – minimum, vielleicht hat sie ja Zwillinge 😉

jiwons-hochzeit

Hast du auch auf Reisen Freundschaften geschlossen? Die gehalten haben oder nicht?

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19 Kommentare

  • Johanna says:

    Hallo Anne,
    vielen Dank für deine tolle Geschichte und den Beitrag für meine Blogparade!
    Das ist ja echt toll, dass ihr euch dann in Südkorea nochmal getroffen habt und ihr sogar auf ihrer Hochzeit wart!!! 😀
    Solche Freundschaften sind echt voll schön! Da muss man gar nicht ständig Kontakt haben und sich dauernd treffen und so. Und wenn man sich dann endlich mal wieder besucht oder trifft, dann ist alles total herzlich und witzig und weiß nicht. Ich liebe solche Freundschaften. Ich habe z.B. eine Freundin aus Japan, die ich aus Neuseeland kenne. Sie war schon viermal bei meinen Eltern in Deutschland. Beim ersten Besuch habe ich noch bei meinen Eltern gewohnt und bei den darauffolgenden haben wir uns sozusagen bei ihnen getroffen. Das letzte Mal war dieses Jahr im Mai. Bei einer Gelegenheit konnte ich nicht kommen, da hat sie dann halt einfach meine Eltern ohne mich besucht. 😉 Es wird jetzt wirklich langsam mal Zeit, dass ich nach Japan fliege… 🙂
    LG Johanna

  • Jasmin says:

    Liebe Anne,
    die Geschichte ist echt cool und ich bin erstaunt, dass ihr noch immer Kontakt miteinander habt. Das muss wohl Schicksal sein 😉
    Die Fotos sind übrigens echt witzig!
    Ich könnte nicht einfach so alleine verreisen. Ich gehe ja nicht mal alleine ins Kino 😀
    Viele liebe Grüße
    Jasmin

    • Anne says:

      Hallo Jasmin,
      ja, manchmal funkt es einfach zwischen zwei Menschen… Da denk ich doch manchmal auch an Bestimmung!
      Echt, du gehst nicht alleine ins Kino? Warum nicht? Das Alleine Reisen war eine meiner besten Erfahrungen überhaupt. Aber klar, damals war auch meine ganze Welt anders! Zwischen 21 und 26 bin ich sehr viel alleine gereist. Seit ich meinen Mann kennengelernt habe eher nicht mehr, weil ja gemeinsames Reisen auch wunderschön ist… Als ich in Südamerika war, waren wir zwar schon ein Paar, aber die Flüge waren schon gebucht.
      Liebe Grüße, Anne

  • Christine says:

    Ich habe zwar leider noch keine solchen Freundschaften auf Reisen getroffen (ich war aber auch noch nie länger allein unterwegs und dementsprechend hat es sich wohl auch einfach nicht ergeben), aber ich finde es immer cool, wenn man Leuten begegnet und so lange Kontakt hält! Und sich sogar über den halben Globus hinweg immer mal wieder sieht. Sehr schöne Freundschaft!

    Ja, das kann ich verstehen. Bei einer Fehlgeburt ist das sicher noch schlimmer, aber als es bei mir gesundheitlich wirklich schlimm war, konnte ich so einen Satz auch gar nicht hören. Und dennoch… jetzt denke: sie hatten wohl recht!
    Ich habe auch schon vor meiner Krankheit angefangen mehr Sport zu machen und konnte mich dann immerhin recht schnell wieder dazu aufraffen (obwohl ich immer eher unsportlich war und wenig Lust hatte). Das hat auch mir wirklich geholfen wieder etwas mehr gesundes Körpergefühl zu bekommen.
    Ja, solche Geschichten passieren manchmal leider. Es ist einfach verrückt wie die Zusammenhänge im Körper manchmal sind. Man kann ja sogar sagen, welches Organ gerade etwas leidet oder zu viel zu tun hat, je nachdem welcher Zahn einem schmerzt… Und dummerweise sind solche Sachen oftmals nicht offensichtlich und die Leute haben lange damit zu kämpfen. Am Ende glaubt ihnen kaum noch jemand… Puh. Da hast du schon auch echt eine schlimme Geschichte erzählt. Gut, dass es ihm gesundheitlich am Ende wieder besser ging. Denn ich bin mir sicher, dass auch eher aus der Sache stark hervor gegangen ist und mittlerweile wieder ein Leben mit Freunden und allem drum und dran führt.

  • liebe Anne,
    das ist ja auch eine wahnsinns Geschichte. so ein bisschen habe ich ja immer mal hier mal da von deinen Reisen gelesen. das scheint aber wirklich eine ganz besondere Erfahrung gewesen zu sein. und toll, dass ihr noch immer Kontakt habt. bei meinen Reisebekanntschaften ist das immer mehr abgeebbt …
    liebste Grüße,
    ❤ Tina
    https://liebewasist.wordpress.com/
    https://www.instagram.com/liebewasist/

    • Anne says:

      Hallo Tina,
      ich hab ja auch jede Menge Bekanntschaften, von denen ich eigentlich nichts mehr höre. Da hat es einfach nicht genug gefunkt!
      Schöne Woche!

  • Ivi says:

    Liebe Anne, eine schöne Geschichte und ich finde solche Freundschaften toll! Ich weiß aus eigener Erfahrung, dass Freundschaften auch über die Landesgrenzen sehr gut funktionieren können. Gerade heutzutage mit Email, What’s app und Viber. Und wow, dass du so mutig warst und die Reise alleine angetreten hast. Ich war noch nicht mal im Kino alleine bisher 😉 GLG Ivi

    http://www.naomella.com

    • Anne says:

      Hallo Ivi,
      ja, eben, Kontakthalten ist heute vermutlich einfacher denn je. Früher gab es außer der Post ja eigentlich keine Möglichkeiten…
      Ich habe es geliebt, alleine zu reisen! War ab und an mal allein unterwegs. Alleine Kino kann ich dir auch empfehlen, ist gar nicht schlimm!
      Liebste Grüße, Anne

  • Julia says:

    Liebe Anne,

    eine wirklich schöne Reisegeschichte! Ich habe auf Reisen bisher zwar noch keine wirklichen Freundschaften, aber immerhin jede Menge nette Bekanntschaften geschlossen…. Am meisten nette Menschen hab ich tatsächlich in Schottland getroffen: 3 nette Amis im Pub in Edinburgh, 2 superlustige Norwegerinnen bei Highlandgames, einen Franzosen im Hostel auf Skye und natürlich noch die ganzen wundervollen Schotten <3

    Liebe Grüße
    Julia

  • Melia Beli says:

    Liebe Anne,

    was ist das denn bitte für eine herrliche und herzlich schöne Geschichte?! Vor allem, dass ihr euch tatsächlich in Südkorea wiedergesehen habt und du sie dort besucht hast – genauso soll es sein und ich wünsche euch von Herzen, dass ihr den Kontakt aufrechterhalten werdet! Ich hatte auch langjährige Freundschaften zu Leuten, die ich vor allem im Sprachurlaub kennengelernt habe und zu einem Freund habe ich immer noch Kontakt – es ist jetzt schon knapp 10 Jahre her, dass ich ihn damals kennengelernt habe und vor ein paar Jahren habe ich ihn auch in Zürich besucht. Auf dass diese Freundschaft noch lange hält, das wäre zu schön 🙂

    Herzlichst und danke für diese herzerwärmenden Zeilen

    Melina
    http://www.meliabeli.de

    • Anne says:

      Hey Melina,
      das freut mich, wenn dir die Geschichte gefällt! Oh ja, ich hoffe auch auf noch lange Kontakt! Schön, dass du auch solche Freundschaften hast!
      Liebste Grüße, Anne

  • Jasmin says:

    Sag mal, lebst du noch? 🙂
    Habe dich zum Sunshine Award nominiert und ich würde mich riesig freuen, wenn du mitmachen würdest :-*
    Ich drück dich ganz doll und sende dir viele Küsschen :-*
    Jasmin

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