Die Fuck-It-List

12.
November
2015

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Jeden Morgen um fünf Uhr stehe ich auf, um joggen zu gehen. Danach mache ich noch eine Runde Yoga, anschließend esse ich mein hypergesundes, selbstverständlich veganes Frühstück, in dem Chia-Samen oder andere Superfoods vorkommen.

So vorbereitet, bin ich den ganzen Tag mein perfektes Ich, arbeite fleißig meine To-Do-Lists ab und schreibe an meiner Bucket-List. Wenn ich nicht gerade an den atemberaubendsten Orten, die natürlich alle auf meiner Bucket-List stehen, abhänge, versteht sich.

Es gibt nur lehrbuchmäßiges gesundes Essen und nie landet etwas „Falsches“ im Einkaufswagen. Ich bin nämlich sehr diszipliniert und habe für den Notfall mindestens 27865 Apps, die mich beim Führen meines bilderbuchhaften Lebens unterstützen.

Glaubt ihr das wirklich???

Die Wahrheit sieht nämlich ganz anders aus!

Meine Lieblings-Aufstehzeit ist zwischen sieben und halb acht morgens. Dann wache ich locker ohne Wecker auf. Ich liiiiiiebe Frühstück, in welcher Form auch immer. Hingegen hasse ich Chia-Samen oder andere Superfoods, deren Sinn sich mir nicht erschließt. Sofort nach dem Aufstehen muss ich übrigens essen, sonst bekomme ich mega Hunger und schlechte Laune.

Wenn ich dann auch noch hungrig einkaufen gehen müsste, würde ich schnell Chips kaufen.

Der Rest meines Tages gestaltet sich unterschiedlich, da ich selbstständig arbeite und unter anderem Deutschkurse für Flüchtlinge gebe. Oder aber ich schreibe für die Tageszeitung, meinen Blog oder bin sonstwie eingespannt.

Wenn ich Glück habe, habe ich abends genug Zeit zum Joggen oder zum Pilates. Oder um Freunde zu treffen.

Es gibt auch Tage, da verkrieche ich mich mit einem guten Buch auf der Couch oder ich fröhne meiner Serien-Sucht.

Ziemlich durchschnittlich, oder?

Eine Bucket-List habe ich auch nicht. Weil ich keine Pläne bis zum Rest meines Lebens machen will! Vor ein paar Jahren noch wollte ich unbedingt eines Tages die Fidji-Inseln besuchen, wegen der traumhaften Strände. Doch mittlerweile habe ich meinen Lieblingsstrand gefunden und bin zu der Erkenntnis gelangt, dass Glück nicht von Orten abhängt. Oder von Dingen, die man getan haben muss.

Irgendwie gibt es dieser Tage verdammt viele Dinge, die man muss:

  1. Ich muss mich gesund und/oder vegan ernähren.
  2. Ich muss in hippen Hotels um die Welt reisen.
  3. Ich muss eine trendy Sportart betreiben und dabei fantastisch aussehen in fantastischen Klamotten.
  4. Mein Körper muss perfekt sein.
  5. und und und… Ihr wisst, auf was ich raus will?

Tommy Jaud im Interview

Und dann fiel mir neulich ein Interview mit Tommy Jaud in die Hände. Der Typ, der Vollidiot geschrieben hat. Müsste lügen, wenn ich sagen würde, ich sei ein Fan.

Das Interview war aber der Hammer: Tommy Jaud aka Sean Brummel spricht über sein neues Buch Einen Scheiß muss ich.fuck it list pin

Und mir genau aus der Seele! Statt des ewigen Müssens sollen wir einfach mal chillen, empfiehlt Jaud/Brummel. So will er beweisen, dass Sport dick macht und dass ein Bier oder zwei oder drei hingegen wunderbar für uns sind.

Jaud beschreibt sein Buch übrigens als „Plädoyer gegen Sich-ständiges-Zwingen-zu-Dingen“ – das gefällt mir sehr gut.

Hier findet ihr ein Interview aus dem Deutschlandfunk zum Hören.

Ich habe auch noch ein anderes Interview gelesen – Asche auf mein Haupt, ich finde es nicht mehr! Zu meiner Verteidigung: Ich bin am Wochenende umgezogen…

In dem anderen Interview empfiehlt Jaud/Brummel sinngemäß, statt einer Bucket-List eine Fuck-It-List.

Meine Fuck-It-List:

  1. Krank zur Arbeit gehen.
  2. Superfoods.
  3. Ständig auf die schlanke Linie achten.
  4. Perfekte Instagram Fotos.
  5. Ein weißes Heim.
  6. Immer die neusten Dinge haben und kaufen zu müssen.
  7. Leistungsdruck.

Um Mißverständnisse zu vermeiden…

Ich mag Yoga und ich gehe auch tatsächlich joggen. Am 31. Dezember nehme ich sogar an einem zehn Kilometer langen Silvesterlauf teil. Ich mache das aber, weil ich WILL, nicht weil ich mich durch irgendetwas gezwungen fühle, wie zum Beispiel: „Meine Kollegin ist zehn Jahre älter und hat einen viel strafferen Hintern, ich muss jetzt auch trainieren!“ oder „Jeder rennt Marathon“.

Ich ernähre mich gesund. Auf meine Weise! Ich esse, was mir gut tut und koche immer frisch. Ich werde nie vegan leben können und hoffe, dass ich nicht eine plötzliche Eier-Allergie oder ähnliches entwickle. Aber ich höre auf meinen Körper: Wenn ich Appetit auf Nudeln habe, brauche ich wohl Kohlehydrate und Energie. Wenn ich mal Lust auf ein Glas Milch habe, was echt selten vorkommt, schreit mein Körper vielleicht nach Calcium.

Auch andere Dinge finde ich gut, „Chacun à son goût!“. Aber muss es immer dieses ständige höher-weiter-besser sein???

Den ganzen Hype um Superfoods kann ich allerdings wirklich nicht verstehen 🙂

Was haltet von Selbstoptimierung?

Wozu sagt ihr Fuck-it?

Und was haltet ihr von der Sache mit der Bucket-List?

 

 

 

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