Fernwandern

13.
April
2019

1 Kommentar

Neulich war ich mit meinem Baby im Supermarkt.

Das bedeutet auf dem Rückweg: Vorne 5 Kilo in der Trage, hinten den bestimmt 10 Kilo schweren Rucksack mit Einkäufen. JEDE MENGE GEWICHT. Irgendwann auf dem Weg hielt ein Junge und wies mich darauf hin, dass ich Tomaten verliere.

Ich drehte mich um – es stimmte. Meine Tomaten purzelten aus diesem *hier jedes erdenkliche Schimpfwort einsetzen* Rucksack.

Bevor ich den Jungen bitten konnte, sie für mich aufzuheben, war er auch schon weg.

Da stand ich also. Nein, ich wollte diese *hier weitere Schimpfwörter einfügen* Tomaten nicht liegen lassen, verdammt nochmal.

Also, frag mich nicht wie, irgendwie krebste ich mit Babytrage und Monsterrucksack auf dem Boden rum.

Liebe Passanten: Danke für nichts.

Ich war so kurz davor, hemmungslos in Tränen auszubrechen. So kurz davor.

Dann entschied ich mich für was anderes:

Einfach den nächsten Schritt

Ein Fuß vor den anderen. Einfach den nächsten Schritt. Mach einfach den nächsten *hier weitere Flüche benutzen* Schritt.

Das tat ich also. Eindeutiger Vorteil: Ich weckte das Baby nicht auf, das nur in der Trage sein will, wenn es schläft.

Und dann den nächsten Schritt. Noch ein Vorteil: Ich blamierte mich nicht heulend auf der Straße.

Weiter voran.

Je mehr Schritte ich nacheinander setzte, desto positiver wurde ich. Auf einmal musste ich sogar lachen. Wie ich nur so ungeschickt sein kann, darüber zum Beispiel.

Dann kam mir ein Bild in den Kopf: So lange träum ich schon davon, den Westweg zu wandern. Und den Jakobsweg. Cheryl Strayeds Big Trip hab ich verschlungen.

Wenn ich nun auf einer solchen Wanderung wäre, würde ich niemals aufgeben. Sondern:

Mit Schwung und Freude weitergehen!

Also setzte ich nicht nur mehr einen Schritt nach dem andern, sondern beschloss, meinen Heimweg mit Schwung und Freude zu gehen.

Es wirkte und ich hatte tatsächlich Spaß.

Um ehrlich zu sein: Zweifach-Mama von zwei Kleinstkindern zu sein hat so seine Tücken.

Die ersten harten Monate sind vorbei, mein kleiner Kürbis schreit nicht mehr nur. Dafür hat mein Eisbär mit dem immer mobiler werdenden (jupp, hier ist ein Bewegungswunder eingezogen, das schon mit vier Monaten das Krabbeln angefangen hat!) Kürbis so seine Probleme.

An vielen Tagen habe ich keine Minute Ruhe. Das ist einfach so und prinzipiell find ich das voll okay. Sogar mehr als das: Meistens bin ich echt froh über meine Bagage hier. Aber an anderen Tagen verliere ich eben meine Tomaten und will auf der Straße heulen.

Zum Glück bin ich ein Mensch, der total auf innere Bilder, Meditation, HypnoBirthing und so anspringt. In SO vielen Situationen hat es mir geholfen, meine innere Einstellung und Sprache zu wechseln.

Dieses Mal auch. Wann immer ich jetzt in einer Tomaten-Situation stecke, rufe ich das Bild von meiner Fernwanderung auf und kann instant mit Schwung und Freude auf die Situation blicken. Jeder Frust wird dadurch weggewischt.

Den Rucksack hab ich trotzdem auf Kleinanzeigen verkauft. Dieses *noch mehr Schimpfwörter bitte* Ding hab ich nicht mehr ertragen!

Was machst du, wenn du deine Tomaten verlierst? Kennst du solche Situationen?

 

 

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1 Kommentar

  • Jo says:

    Hi Anne,
    toll, wie du dich motivieren und die Situation ins Positive lenken konntest. 🙂 Also ich heule in solchen Situationen auch mal gerne. 😉 Weil ich dann irgendwie wütend werde auf alle möglichen Leute…
    LG Johanna

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