Für mehr Achtsamkeit mit Seneca

1.
Mai
2016

6 Kommentare

Heute habe ich mir einen weiteren Klassiker vorgenommen (ihr wisst ja schon, dass ich auf Klassiker stehe!) und möchte, zuerst ohne große Worte, meine liebsten Zitate aus Senecas Das Leben ist kurz! vorstellen.

Über Lebenszeit

„…wir haben keine zu geringe Lebensspanne, sondern wir vergeuden viel davon. Lange genug ist das Leben und reichlich bemessen auch für die allergrößten Unternehmungen – wenn es nur insgesamt gut angelegt würde. Doch sobald es in Verschwendung und Oberflächlichkeit zerrinnt, sobald es für keinen guten Zweck verwendet wird, dann spüren wir erst unter dem Druck der letzten Not: Das Leben, dessen Vergehen wir gar nicht merkten, ist vergangen.“

„So bietet unsere Lebenszeit dem, der sie gut einteilt, genügend Raum.“

„Jahresgehälter und Geldspenden nehmen die Menschen nur zu gerne an, und dafür geben sie ihre Arbeitskraft, Mühe und Hingabe drein, aber niemand schätzt die Zeit.“

„Wenn sie wissen wollen, was das Leben kurz macht, dann sollten sie bedenken, welch ein kleiner Teil davon nur ihnen gehört. Wenn du also siehst, wie einer immer wieder die Amtstracht anlegt, seinen Namen auf dem Forum feiern lässt, dann beneide ihn nicht: Dergleichen geht auf Kosten des Lebens. Damit ein einziges Jahr nach ihnen gezählt wird, opfern sie all ihre Jahre auf.“

Über das, was das Leben kurz macht

Habgier, „Betriebsamkeit mit völlig überflüssiger Plackerei“, Ehrgeiz, abhängig von der Meinung anderer sein, Hoffnung auf Profit, Kriegsdienst, „freiwillige Knechtschaft im Dienst undankbarer Herren“,

„Da bringt es einer fertig, sich wegen der Überheblichkeit eines anderen zu beklagen, während er doch für sich selbst niemals Zeit hat!“

„Ihre Landgüter lassen die Leute von niemand in Besitz nehmen […] In ihr eigenes Leben aber lassen sie andere eindringen…“

„Sehr kurz und sorgenreich ist dagegen die Lebenszeit derjenigen, die das Vergangene vergessen, das Gegenwärtige vernachlässigen, vor der Zukunft Angst haben.“

Über Leben nach der Rente

„Es ist doch reichlich spät, erst dann mit dem Leben zu beginnen, wenn man es schon bald beenden muss! Und wie unvernünftig ist es, seine Sterblichkeit so weit zu vergessen, dass man gute Vorsätze auf das fünfzigste oder sechzigste Lebensjahr verschiebt und erst in einem Alter zu leben beginnen will, das nur wenige erreichen!“

Über Zeit

„Die Zeit ist ja beständig im Fluss, strömt dahin wie eine Sturzflut, sie hört auf zu sein, ehe sie noch richtig da ist, und duldet kein Verweilen, wie das Weltall und die Gestirne, die in ihrer ewig rastlosen Bewegung niemals an demselben Punkt verharren. So ist es allein der gegenwärtige Moment, den den Vielbeschäftigten gehört., der aber so kurz ist, dass er sich nicht fassen lässt, und so entwindet er sich gerade denen, die sich in vielerlei Beschäftigung verzetteln.“

„Nur die allein leben in Muße, die ihre Zeit der Weisheit widmen.“

Und ich mittendrin?

Vielleicht habt ihr gemerkt, dass es seit meinem Thailand-Urlaub ein bisschen ruhiger hier geworden ist: Ich versuche gerade, mehr Zeit für mich zu finden. Zu haben. Weniger Workaholic, mehr Ruhe. Ich meditiere und beschäftige mich mit allerlei ähnlichen Schriften, hauptsächlich natürlich buddhistischen.

Die 45-Stunden-Arbeitswoche, die ich vor dem Urlaub hatte, hat einfach sehr an meinen Kräften gezehrt und im Urlaub hab ich festgestellt, wie schön es ist, einfach mal nichts zu tun. Wie Julia Roberts, die in Eat Pray Love in Rom auf dem Boden ihrer Wohnung sitzt und andächtig Spargel und Eier isst. Genau so eine Phase habe ich grade. Ich will Zeit haben, mich eine Stunde nur einem einfachen Essen zu widmen, ohne dass mir nebenbei To-Do-Listen durch den Kopf schwirren oder ich vom schlechten Gewissen geplagt werde.

Sinngemäß natürlich, gilt auch für andere Lebensbereiche. Beispielsweise wusste ich echt viele Dinge nicht mehr, die mir Herr Pralino vor dem Urlaub erzählt hatte – mein Kopf war einfach zu überladen, ich war nicht mehr fähig, ihm zuzuhören. Geht gar nicht, oder?

Trotzdem: Ich liebe den Blog und ich werde definitv weiterschreiben. Wenn auch erstmal nicht mehr täglich, sondern vielleicht 3-4 Mal die Woche. Und mit dem ein oder anderen Thema in Richtung Achtsamkeit.

Für mehr Inspiration Richtung Achtsamkeit findet ihr übrigens auch noch diesen Text bei Séverine.

Was hältst du von dieser kleinen Themenanreicherung?

Wie gelingt es dir, Zeit für dich selbst zu haben? Fällt es dir auch manchmal schwer, all deine Verpflichtungen unter einen Hut zu bekommen? Wie ist deine Strategie?

Mehr Achtsamkeit

 

 

 

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6 Kommentare

  • liebe Anne,
    wunderschöne Worte für eine der wichtigsten Dinge der Welt!
    …ich fühle mich wie in einer ganz ähnlichen Phase! vor den Semesterferien war ich non-stop am lernen, arbeiten, hatte kaum Raum für Kreativität. Indien war eine großartige Erfahrung, ein Entschleunigung und ein Augenöffner!
    man muss sich die Zeit schon nehmen für das was einem wichtig ist, sonst ist ist auf einmal weg, weil man sie mit den anderen Aufgaben verbracht hat!

    einen wunderbaren Sonntag,
    <3 Tina
    https://liebewasist.wordpress.com/

  • Sigrid Braun says:

    Bei dem Absatz, Rente gebe ich dir voll und ganz recht. Da ich 63 bin merke ich wie schnell meine Zeit verinnt und wieviel ich eigentlich noch machen möchte. Gruß Sigrid

  • Jasmin says:

    Liebe Anne,
    das ist ein sehr wichtiges und interessantes Thema.
    Ich finde ein gesundes Mittelmaß immer am besten. Man sollte sein Leben immer im Hier und Jetzt genießen, aber ich möchte auch noch in meiner Rente ein gutes Leben führen und deshalb lege ich jeden MOnat 200 Euro zusätzlich für eine Privatrente zur Seite. Das Schrecklichste was ich mir vorstellen kann ist alleine, alt und krank und mittellos in einem Bett zu liegen. Man kann ja heutzutage bis 90 Jahre alt werden und die schlimmsten Jahre können genau die zwischen 60 und 90 werden.
    Natürlich möchte ich aber auch jetzt gut leben und ich finde es genau so schrecklich, wenn man vor lauter Arbeit nicht mehr leben kann.
    Viele liebe Grüße
    Jasmin

    • Anne says:

      Hallo Jasmin,
      ja, ich glaube, so in etwa ist mein großes Thema: Vor lauter Arbeit jetzt nicht mehr zum Leben JETZT kommen. Denn man weiß ja tatsächlich nie, wie lange es geht, ob man 90 wird oder ob man nie die Rente erreicht… Ich hab auch private Vorsorge, damit auch alles passt, wenn die Situation sich wieder ändert und auch, dass ich unabhängig sein kann.
      Liebe Grüße, Anne

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