Ich muss schreiben. Hommage an Alonso und alle Freigeister.

24.
November
2015

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„Was machst du, wenn du nicht mehr weiter weißt? Ich schreibe.“

So beginnt der Krimi El clan de la mano fría von Alonso Castillo. El clan ist ein gesellschaftskritischer Krimi, in dem es um Organhandel in Chile geht. (Es gibt ihn leider nicht übersetzt.)

Alonso ist Chilene, lebte in Santiago de Chile, war Journalist, hat seinen Roman veröffentlicht, dann beschloss er von dem einen auf den anderen Tag: Ich gehe auf Reisen.

Man glaubt gar nicht, wie schnell man so ein Leben auflösen kann. Glaubt man Alonsos Geschichte, dann ging das innerhalb von drei Tagen über die Bühne. Zack, weg. Tschüss Mama, bis irgendwann.

Das Nötigste packte er in einen Rucksack, ein kleiner Laptop war dabei und blieb für lange Zeit sein wertvollster Besitz.

Sein wahrer Luxus war die Freiheit.

So trafen wir uns im Dreiländereck Argentinien, Brasilien, Paraguay, um die Iguazú-Wasserfälle zu bestaunen.

Ich war zwischen Studium und Beruf, hatte meine Kreditkarte in Buenos Aires verloren. Mein einziger Luxus war die Freiheit. Sofort waren Alonso und ich auf einer Wellenlänge. Natürlich musste er mich durchfüttern, schließlich hatte ich kaum zehn Dollar in der Tasche. Und natürlich musste er mir Spanisch beibringen!

2010-10-11 18.25.50Zu diesem Zeitpunkt war mein Spanisch noch nicht Chile-angemessen. Ich musste nachdenken, bevor ich sprach und hatte so meine Probleme mit dem kastellanischen Spanisch in Argentinien, das aus „ll“ immer „sch“ macht. Also wurde Alsono mein Lehrer, ein sehr geduldiger, aber auch ein fordernder.

Wenn wir nach dem Essen auf dem Sofa hingen und Cola Rum tranken, durfte ich keine Sekunde nachdenken. Ich musste schneller sprechen und musste Wörter pauken. Es hat gewirkt 😉

Neben Spanisch brachte er mir außerdem bei, ausgetretene Wege zu verlassen: Auf seiner Reise verbrachte er nämlich im Prinzip jeden Tag mit laufen. Morgens ging er los und ließ sich treiben – lange bevor slow travel ein Modewort war! Durch loslaufen entdeckt man am meisten, schärfte er mir ein. An einem Tag fanden wir eine wunderbar bunte Schmetterlingshöhle.

Immer auf Reisen

2010-10-12 22.48.21Alsono befand sich auf einer Reise ohne Ende. Er wollte seinen Kontinent kennenlernen, wollte über ihn schreiben, ihn verstehen. Wollte seinen Bewohnern auf den Zahn fühlen und Freunde finden. Er wollte an die entlegensten Ecken reisen und alles in sich aufsaugen.

Was er dafür zurück gelassen hat, war enorm: Freunde und Familie. Seinen gesamten Besitz. Ein festes Einkommen in einem angesehenen Beruf.

Das einzige, was er brauchte, war seine Freiheit.

Das einzige was er wollte, war schreiben.

Lieber Alonso, ich bewundere dich bis heute für diesen Schritt. Du bist eine ewige Inspiration!

Was ist dein Luxus????

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