(M)Eine Fünf-Minuten-Meditationsmethode

23.
Juni
2016

6 Kommentare

Meditieren gehört zu den Dingen, die mich nicht nur jetzt, sondern eigentlich immer, glücklich machen. Meine Praxis ist zwar nicht immer ganz so regelmäßig, wie sie sein sollte/könnte, aber dennoch… Doch nun von Anfang an!

So habe ich Meditation für mich entdeckt

Na, in Chiang Mai. Logisch, oder? Mehrere Faktoren spielten zusammen: Wir wohnten direkt an einem Tempel und ich bekam wöchentliche „buddhist teachings“ von meiner chinesischen Ärztin und vor allem – und ich glaube, das war der ausschlaggebende Punkt: Ich bewunderte die Gelassenheit und die Lockerheit der Leute, die Weisheit und Ruhe, die die Mönche und praktizierenden Buddhisten ausstrahlten. So wollte ich auch sein.

Naja, gut, ich wusste also, dass ich das gerne sein möchte und dass ich gerne eine Meditationspraxis haben möchte, aber das wars dann fast auch schon. Außer täglichen Atemübungen, die eines meiner Yogabücher empfahl, war erstmal nicht mehr drin.

Meine Vorstellung von Meditation…

… war zunächst vielleicht auch die falsche. Ich dachte, dass es darum geht, an alles konzentriert denken zu können. Doch im Prinzip geht es darum, gar nicht zu denken. Einfach alle Gedanken auszusperren und so „Frieden finden“.

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Dann kam Myanmar

Dass ich an Myanmar alles liebe, habe ich mehr als einmal erwähnt 😉 Auch, wie sehr mich die Einwohner beeindruckt haben und wie ruhig und lässig sie waren. Mein Freund Nyey erzählte mir, dass jeder burmesische buddhistische Mann zweimal in seinem Leben ins Kloster muss, als Novize wie diese hier und noch einmal in seinem Erwachsenenleben. Dort verrichtet er dann einfache Arbeiten wie fegen oder kochen und meditiert. Das war jedenfalls seine Erklärung auf die Frage, warum in Burma alle so gelassen sind…

Klar, wir verbrachten viel Zeit in Tempeln und Klöstern – ich liebe einfach die Atmosphäre dort. Besonders in der Gegend um Mandalay herum besuchten wir viiiele Klöster, denn dort in den Bergen liegen ein paar wunderbare Prachtbauten. Eines der Klöster hatte einen kleinen Shop, in dem „Bücher“ über Meditation verkauft wurden und eines gab es sogar auf Deutsch übersetzt! Zu einem Spottpreis von weniger als einem Euro (wobei die Bezeichnung Buch vielleicht auch irreführend ist, ein kleines Heftchen, dort im Kloster gedruckt) schlug ich sofort zu und verschlang das Büchlein noch an Ort und Stelle.

So kam ich also zu meiner Fünf-Minuten-Meditationsmethode, die ich euch kurz vorstellen möchte.

Die Fünf-Minuten-Meditationsmethode

Die Methode ist aus der Vipassana Meditation. Ziel ist die „Befreiung von Leid(en)“ jeglicher Art. Die Vorstellung von Leid kommt hier aus der buddhistischen Philosophie und, um es mit meinen Worten auszudrücken, umfasst alles, das nicht im Hier und Jetzt liegt und mich davon abhält, den Moment zu leben. Geldsorgen, die Beschäftigung mit der Vergangenheit oder der Zukunft im Allgemeinen, Neid, das allseits bekannte Gedankenkarussell etc.

Auch diese Meditationsmethode entstammt der Philosophie des Theravada Buddhimus, hat aber mit Dogmen oder religiösen Glaubensvorstellungen nichts zu tun – meine Überzeugung und die des Buches.

Natürlich führt die Meditation zu weiteren positiven Ergebnissen, auf die ich jetzt aber erstmal nicht näher eingehen möchte – sonst wird das hier zu lang!

Jetzt geht’s los!

  • Du triffst deine Entscheidung: Die nächsten 5 Minuten meditiere ich! Ganz egal, wo: Im Gehen, Sitzen, Liegen, Stehen. Ich sitze oder liege am liebsten bequem auf dem Sofa und hab mir anfangs immer den Timer gestellt.
  • Dann sagst du im Stillen oder auch leise folgende Sätze:

Ich erweise all jenen meine Hochachtung, die sich bereits von allem Leiden befreit haben.

Ich erweise all jenen Methoden meine Hochachtung, die zur Beendigung allen Leidens führen.

Ich erweise all jenen Personen meine Hochachtung, die fähig sind, anderen den Weg, der zur Beendigung des Leids führt, zu weisen.

  • Stattdessen kann man – als Buddhist – auch ein buddhistisches Gebet sprechen.
  • Dann wiederholst du drei Mal: Ich bin rein an Rede, Körper und Geist.
  • Das Ganze dauert ca. eine Minute.
  • Nun konzentrierst du dich auf das Ein- und Ausatmen, sagst dir sowohl beim Ein- als auch beim Ausatmen im Stillen „ich weiß“.
  • Konzentriere dich NUR darauf und schenke anderen Gedanken (an die Vergangenheit, das Abendessen, den Arbeitstag hinter dir…) keine Beachtung. Verbanne sie für diese fünf Minuten der Meditation komplett.
  • Das wars, schon sind deine fünf Minuten vorbei 😉

10Dinge, die mich jetzt glücklich machen

Das hast du davon

Du wirst dich leichter konzentrieren können und vielleicht auch ausdauernder werden. Irgendwann wird es ganz leicht für dich, deine Gedanken einfach abzuschalten – ich habe mir dadurch echt viele Nächte Schlaf gerettet, in denen ich kurz aufwachte und kurz davor war, in den Terror des nächtlichen Gedankenkarussells abzugleiten!

Ich kann dir aber auch nichts vormachen: Dafür hab ich verdammt lange gebraucht. Bestimmt 9 Monate.

Bis dahin lief es eher so: Ich meditierte und ertappte mich dann dabei, wie ich meine Einkaufsliste im Kopf durchging. Mist! Dann dachte ich an den blöden Kommentar meines Chefs oder an das was ich morgen anziehen möchte und… MIST! Und so ging es weiter. Irgendwann stellte ich mir vor, wie ich diese Gedanken mit einer großen Schneeschaufel einfach beiseite schob und es funktionierte immer besser.

Einen ganz anderen Effekt hatte eines der Sätzlein, die man zu Beginn aufsagen soll: „Ich bin rein an Rede, Körper und Geist“. Bin ich das? Gerade habe ich doch über die lahmarschige Verkäuferin geschimpft! Also hörte ich auf zu schimpfen. Oder schlecht über andere zu sprechen oder zu denken – das, was andere machen, ist schließlich nicht Teil meines Lebens und ich kann sie nicht kontrollieren. Was ich aber kontrollieren kann, ist die Art, wie ich damit umgehe – im besten Fall nämlich gar nicht.

Im Alltag

Meine Fünf-Minuten-Meditationsmethode passt und passte immer hervorragend zum Alltag – eben dadurch, dass sie so gut wie keine Zeit erfordert und man die paar Minütchen immer übrig hat. Zuhause wie auf Reisen.

Mit der Zeit brauchte ich keinen Timer, denn ich entwickelte ein ziemlich genaues Zeitgefühl für diese fünf Minuten. Mittlerweile meditiere ich meist etwas länger. Außerdem habe ich mich einer wöchentlichen Meditationsgruppe angeschlossen, dort werden aber immer 40 Minuten am Stück meditiert. Das kann ich Anfängern nun echt nicht empfehlen und ehrlich gesagt: Es klappt auch nicht immer 😉

Zum Weiterlesen

Wie ist es bei dir? Meditierst du oder bevorzugst du andere Entspannungsmethoden? Oder hast du eine Meditationstechnik, die so ganz anders ist als meine? Oder möchtest du gerne eine Meditationspraxis aufnehmen? Warum du?

Ich freue mich über eure Rückmeldungen, Erfahrungen, Pläne in den Kommentaren! 

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6 Kommentare

  • Jasmin says:

    Liebe Anne,
    wow, was für ein toller Post! Ich muss zugeben, ich habe noch nie meditiert und hielt auch eigentlich nichts davon oder besser gesagt, ich hatte eine komplett falsche Vorstellung davon.
    Du hast das super erklärt und ich habe jetzt auch den Sinn vom Meditieren verstanden. Werde das auf jeden Fall ausprobieren und dir dann auch noch ein Feedback geben, wie es bei mir lief. Vielleicht schreibe ich auch einfach einen Post darüber und verlinke dich 🙂
    Ich stelle mir das Meditieren zu Beginn tatsächlich sehr schwer vor, denn sind wir mal ehrlich, wir lassen uns von allem ablenken und richtig konzentriert an einer Sache arbeiten ist eine Kunst.
    Danke für diesen tollen Post… werde ihn gleich mal teilen :-*
    Liebe Grüße
    Jasmin

    • Anne says:

      Hallo Jasmin,
      was für eine Vorstellung hattest du denn? Meine war ja auch falsch…
      Au ja, ich freu mich richtig, wenn du das ausprobierst und mich/uns an deinen Erfahrungen teilhaben lässt! Ich mochte auch deine Yoga-Geschichte so gern und find es super, dass du dich so gerne auf Neues einlässt und bereit bist, auszuprobieren!
      Liebe Grüße, Anne

  • Johanna says:

    Hallo Anne,
    vielen Dank für den Post, auf den habe ich ja gewartet. 🙂
    Ich muss das unbedingt mal ausprobieren, weil ich oft ziemlich viel im Kopf habe und mich manchmal einfach nach einem leeren Kopf sehne… Aber das geht halt nich so einfach.
    Ich muss sagen, dass ich mir die Methode einfacher vorgestellt habe. Die Sätze, die man am Anfang aufsagen soll, muss man ja erstmal auswendig lernen, so dass man sie praktisch im Schlaf kann.
    Die Methode ist sicherlich toll, aber wie du bereits gesagt hast, muss man wahrscheinlich erst mal ein bisschen üben, bis man in diesen fünf Minuten auch tatsächlich meditiert. 🙂
    LG Johanna

    • Anne says:

      Hallo Johanna,
      ja, die Sätze am Anfang waren für mich auch eine mega-Konzentrationsübung und gar nicht sooo leicht… Und jupp, üben muss man tatsächlich. Eigentlich schade, dass man nicht einfach so abschalten kann, oder?
      Grüßle, Anne

  • danke dir für diesen wirklich schönen Beitrag liebe Anne und deine inspirierenden Gedanken zur Meditation!
    ich muss doch zugeben, dass genau die Meditation mir im wahrsten Sinne des Wortes noch am meisten Kopfzerbrechen bereitet. bei einer guten Yogastunde gehört das ja auch dazu und sooft gelingt es mir einfach nicht meinen Geist frei zu machen … manchmal aber hatte ich solche Momente, wenn ein Bild vor meinem geistigen Auge auftauchte und ich einfach glücklich war!

    ❤ Tina
    https://liebewasist.wordpress.com/
    https://www.instagram.com/liebewasist/

    • Anne says:

      Hallo Tina,
      freut mich, dass dir der Artikel gefällt!
      Weißt du was? Komischerweise kann ich in den Yogastunden NIE meditieren! So nach Anleitung, Zeitplan und allem – das schaff ich nie! Klar, während den Übungen kann ich schon abschalten, weil ich eben auf die Asanas konzentriert bin, aber die Meditation kann ich dann gar nicht leiden 🙁 Bizarr, oder?
      Liebe Grüße, Anne

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