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11.
November
2015

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Gestern auf Facebook stolperte ich über eine Kampagne von Amnesty International: Eine Online-Petition zum Unterzeichnen.

Die Unterzeichnenden bekennen sich unter dem Leitspruch „Die Würde des Menschen ist unantastbar“ zu Humanität und Solidarität, zur Wahrung von Menschenrechten und zum Schutz vor Hetze und Anschlägen. Unter anderem.

Ohne nachzudenken, habe ich unterzeichnet.

Nun da ich nachdenke, möchte ich jeden dazu auffordern, ebenfalls zu unterzeichnen.

Oder sich mindestens Gedanken zu diesem Thema zu machen – Gedanken weit weg von Stammtischparolen und rechter Hetze. Oder Gedanken voller Angst, getragen unterm Schutzmantel des Konservativen: „Ich bin ja nicht rechts, aber… wir haben überhaupt kein Geld, um Flüchtlinge aufzunehmen.“ oder „Was passiert mit unseren Leuten?“

Leute, ganz ehrlich: Das. Kann. Ich. Nicht. Mehr. Hören.!!!

Wir haben ein Grundgesetz, auf das wir stolz sein können.

MenschenwürdeWir leben in einem Land, in dem unsere Würde geachtet wird. Ein Land, in dem §1 des Grundgesetzes eben diese Menschenwürde zum höchsten aller Güter erklärt.

Wir haben eine Kanzlerin, die auf einmal eine klare Position beziehen kann (wer hätte es gedacht…). Und ja, ich bin stolz darauf, dass Angela Merkel den Mumm hat und auf alle Angstmacher, Schwarzseher und „christliche“ Konservative pfeift.

Wir haben ein Dach überm Kopf, Kleidung, die uns wärmt, Essen. Zumeist alles im Übermaß. Andernfalls gibt es viele staatliche und nicht-staatliche Organisationen, die uns auffangen oder uns helfen. In allen Bereichen. Ob ich obdachlos bin oder Alkoholiker oder nach einem Schicksalsschlag vor dem Nichts stehe.

Wir haben das alles und noch viel mehr.

Außerdem haben wir das Glück, hier zuhause zu sein.

Ich liebe meine Heimat. Und glaubt mir, nach viiiiiiiel Zeit im Ausland weiß ich, wo meine Heimat ist und was sie mir bedeutet. Hier sind meine Freunde, meine Familie, meine Sprache, mein Leben. Ich weiß, wie ich auf der Post mein Einschreiben versende und ich weiß, wie ich beim Bäcker bestellen muss. Das klingt banal, doch das ist alles nicht selbstverständlich.

Wie mir geht es tausenden anderen von euch auch.

Und nun wird unsere Existenz scheinbar bedroht, denn: Der Flüchtling kommt. In Massen.

Der Flüchtling ist in zu vielen Köpfen zu einem furchteinflößenden Wesen geworden.

Meist ist er männlich, so dass die deutsche Frau nicht mehr sicher sein kann. Er wird keinen Respekt vor ihr haben, ihr nicht die Hand geben und sie wie ein Stück Vieh behandeln. Er ist vermutlich groß, stark und Moslem. Gläubiger Moslem im schlimmsten Fall. Er wird dafür sorgen, dass in unserem Land die Kirchen verschwinden und Moscheen gebaut werden. Bald werden wir ein islamisches Land sein! Der Flüchtling wird unsere Kinder auf dem Spielplatz beobachten und ihnen Angst einjagen. Dann, aber nur dann, spätestens dann, dann werden wir dem Flüchtling zeigen, wo der Hammer hängt! Wer hier das Sagen hat! Diesem unflätigen Gast mit dem teuren Smartphone in der Hand, dem geschieht dann aber was! Der verdient einen kräftigen Tritt in den Arsch!

Wer von euch solche und ähnliche Tiraden nicht in den letzten Wochen zu hören bekommen hat, der melde sich bitte bei mir.

Oder, noch so eine Geschichte, die sich jüngst in einem süddeutschen Dorf abspielte, in dessen Turnhalle demnächst 80 Flüchtlinge einziehen werden. Ich rede von einem reichen süddeutschen Dorf voller Eigenheime und Hausfrauen. Voller Idylle. Die Menschen dort haben alles. In ihrer Heimat.

Nun kommt er aber, der Flüchtling.

Wie sollen das die Väter, die Männer nur verkraften? Ganz einfach: „Ich hol die Flinte raus! Denen mach ich die Hölle heiß!“

Und dann, am nächsten Tag aufm Spielplatz spielen die Kinder ihr neues Spiel. Es heißt „Flüchtling erschießen“.

Muss ich noch mehr sagen?

Es ist so: Auch ich habe Angst.

Denn diese Idioten, die solche Dinge von sich geben, sind mitten unter uns.

In unserem Land. Unserem zivilisierten, aufgeklärtem und europäischen Land. Dem Land großer Denker: Kant ist hier selbstverständlich an erster Stelle zu nennen. Wäre er doch nur heute hier, um Licht ins Dunkel zu bringen!

Vor diesen Menschen habe ich Angst. Klick um zu Tweeten

Den Deppen, die Sprüche raushauen, ohne auch nur im Ansatz die Würde des Menschen zu achten. Die eines vergessen: Wir sind alle Menschen.

Was würden wir tun, bräche bei uns ein Krieg aus? Wohin flöhen wir? Wie könnten wir weiterleben, wenn Bomben auf unsere Heimat fielen? Wenn der Bäcker um die Ecke nicht mehr backen kann, weil er kein Mehl hat? Wenn ich meinen Schulweg nicht mehr gehen kann, weil es die Straße schlichtweg nicht mehr gibt? Wenn wir unsere Familien zurücklassen müssten? In ständiger Angst um nicht nur unser eigenes Leben?

Und dann kommen wir ausgezehrt und traumatisiert in England an und hören, wie englische Kinder auf dem Spielplatz „Flüchtling erschießen“ spielen.

Dabei ist es so einfach:

Lasst uns alle unser Grundgesetz beachten und die Würde des Menschen respektieren.

Lasst uns offen sein und freundlich, lasst nicht irrationale Ängste und Vorurteile über euch entscheiden.

Lasst uns Menschen sein, die einander achten und mit Respekt begegnen.

Lasst uns an die anderen denken und lasst uns Mitgefühl fühlen.

Und dann behandeln wir die anderen so, wie wir behandelt werden möchten, wenn wir gezwungen sind, unsere Heimat zu verlassen.

was für eine welt

 

 

 

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