Von lächelnden Elefanten und zynischen Expats: zwei Bücher über Thailand

28.
Februar
2016

7 Kommentare

Um die Wartezeit zu unserer Thailand-Reise zu überbrücken, blättere ich dieser Tage ständig in meinen zwei Büchern über Thailand. Oh ja, Bücher helfen gegen Fernweh. Weil man sich alles so schön vorstellen kann und – zumindest im Kopf – schonmal komplett verschwinden kann.

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Gebrauchsanweisung für Thailand

Das erste Buch ist ganz klassisch die Gebrauchsanweisung für Thailand von Martin Schacht. Mein Cousin schenkte sie mir damals zum Abschied.

Logischerweise deckt sie sämtliche Bereiche des täglichen Lebens in Thailand ab. Darunter nützliche Informationen wie Landeswährung oder typisches Essen (mit Vokabelangaben). Mit dem Kapitel über Kleidung und wie man sich anziehen sollte, trifft Schacht den Nagel auf den Kopf. Leider haben wohl zu wenige Thailand-Reisende seine Anleitung nicht gelesen.

HalloThailand

Einige der Informationen treffen auf den Norden – in dem ich ja nun gelebt habe – eigentlich nicht zu: Dort kommt man nämlich nicht mit englisch durch. Nein, die meisten Thais sprechen kein Englisch. Und wenn, dann nur ein Wort: Cannot/Can. Was dieses Wort betrifft, bin ich ganz auf Schachts Seite: Es wird bei Verhandlungen oder argumentativen Gesprächen benutzt, wenn der farang etwas will, der Thai aber absolut keine Lust hat, sich mit irgendetwas auseinanderzusetzen. Dann sagt er, gerne auch in Dauerschleife, cannot. Die Frage nach einer Begründung ist dabei eben so aussichtslos wie der Versuch, das Gespräch fortzuführen. Vor allem darf man nicht in Rage geraten, grober Fehler, man denke nur an die Sache mit dem Gesichtsverlust.

Besonders gerne mag ich sein Kapitel über Expats in Thailand. Leider ist es so: Wenn du als Ausländer in Thailand lebst, dann bist und bleibst du ein farang. Mit der Zeit hast du vielleicht ein paar gute thailändische Freunde. Mit der Zeit und mit ganz viel Glück. Dann gibt es da noch die Expats, die andere Gruppe, wo du Leute kennenlernen kannst. Expats kommen meistens aus den USA, GB oder auch Australien. Meist sind sie älter – Rentner oder haben nie gearbeitet. Natürlich gibt es auch „junge“ Expats, die irgendwie nach Thailand ausgewandert sind. Für manche Nationalitäten, darunter Amerikaner, ist die Sache mit dem Visum kein so großes Problem. Für Deutsche schon, aber das ist ein ganz anderes Thema. Zurück zu den Expats.

„Gemeinsam ist ihnen allen, dass sie in Thailand komfortabel über die Runden kommen […] Insgesamt gleicht ihr Alltag einer niemals endenden Happy Hour… Ansonsten legen die Expats genau jene Verhaltensweisen an den Tag, die man an hiesigen Gastarbeitern bemängelt: Sie haben wenig Bereitschaft, sich in ihr Gastland zu assimilieren, sprechen die Sprache der Einheimischen nicht und leben in einer Parallelgesellschaft, in der sie meist unter sich bleiben.“

Genau so konnten wir das auch beobachten. Und klar, auch unter den Expats gibt es nette Menschen, sogar welche, die Thai beherrschen 🙂 Im Allgemeinen finde ich diese Definition aber ganz gut. Lustig wird es erst danach, da beschreibt Schacht die Dinge, die uns farangs an den Thais aufregen: dass sie langsam sind, das bereits oben beschrieben Verhalten in Diskussionen, keine klaren Ansagen, dass Stressvermeidung oberste Priorität hat, der leere Blick…

Schacht kommt zu dem Schluss, dass

„Thailand für Kurzbesucher eben ganz einfach [ist]; wenn man dort länger arbeitet oder lebt, stellt man schnell fest, dass alles ganz anders ist, als man anfänglich denkt.“

Fernweh-Literatur mit genau der angemessenen Prise Realität.

Auch wenn es mir damals, als ich tatsächlich in Chiang Mai war, nicht so viel genützt hat, kann ich das Buch als Sammlung kleiner Geschichtchen zum Lesen, Staunen, die rosa-Brille-Vergessen-und-trotzdem-Träumen jetzt jederzeit rausholen. Wer also Lust auf ein bisschen mehr Inside Thailand hat, dem kann ich die Gebrauchsanweisung nur empfehlen.

Der lächelnde Elefant in der Rushhour

Untertitelt mit Thailändische Szenarien macht das Büchlein von Georges Hausemer deutlich, dass wir keinen Reiseführer, ja noch nicht mal den Versuch eines Reiseführers zu erwarten haben. Stattdessen liegt uns hier eine Art Kurzgeschichtensammlung (oder eher eine Mischung zwischen Reportage und Kurzgeschichte – nennt man das dann Reisereportage??) Sammlung von Reisereportagen vor, Thema natürlich Thailand.

Die Kapitel klingen fantastisch: Adler aus Ananas, Chaos in Khao San, Im Himmelszug werden die Plätze knapp, Schlaflos im Schlaraffenland. Und selbstverständlich schreibt auch Hausemer über verschiedenen Orte, Strände, BKK, Küche, den Mekong…

Mir gefallen die Übertreibungen, ich mag den Gedanken aus der Skytrain einen Himmelszug zu machen und aus BKK die Stadt der Engel (was tatsächlich die wortwörtliche Übersetzung des Namens bedeutet, der auf thai viel länger ist. Von Thais wird BKK übrigens nur krungthêp genannt.), aus Mae Hong Song ein Nirwana. Ich mag das, weil Reisen immer ganz viel mit unserer Vorstellungskraft zu tun hat. Weil Vorstellungskraft eine gewisse Hingabe erfordert, ein Sein ganz im Jetzt. Weil es auch heißt, in Ruhe zu reisen, zumindest so viel Ruhe, dass die Gedanken sich überhaupt finden können.

Eines meiner liebsten Kapitel ist Chaos in Khao San:

„Und je später der Abend, umso undurchschaubarer wird das Chaos an Menschen, Fahrzeugen und allerlei Dingen, die jeden Moment den Besitzer wechseln können. Den wie ziellos umherflanierenden Passanten freilich scheint das nichts auszumachen. Dies ist die Stunde, da sich auch beim letzten Touristen aus dem Westen das Heimweh legt und die Fremde ihm endgültig vertraut wird. Kein Wunder. Denn nirgendwo sonst in Thailand, wenn nicht in ganz Asien, fühlt der farang sich heimischer als in der Khao San Road. Hier ist er unter seinesgleichen, kann sich in Sicherheit wiegen vor den manchmal verstörenden Anforderungen des thailändischen Alltags und die angeblich köstlichsten Bananenpfannkuchen westlich von Saigon genießen. Hier muss er, wenn er nicht will, keine Papaya-, Mango- oder Ananasschnitten, keine vegetarischen Nudelsuppen und nicht ständig Reisgerichte zu sich nehmen.“

Dieses lange Zitat dürfte dir einen ganz guten Einblick in Hausemers Sprache vermitteln. Ich mag sie, aber nicht immer. Manchmal finde ich sie entsetzlich langweilig, dann wieder lobe ich ihre Perfektion. Besonders in dem Khao San-Kapitel mag ich den ironischen Unterton und die wiederum realistische Beschreibung.

Und noch eins…

Doof wie ich manchmal bin, gebe ich auf Reisen gute Bücher oft weiter. Um anderen eine Freude zu machen und mit leichterem Rucksack weiter zu reisen. Hätte ich das nicht getan, wäre noch ein anderes Thai-Lieblingsbuch in meinem Besitz. Leider fällt mir grad partout der Titel nicht ein – wenn du es kennst, dann schreib es bitte in die Kommentare! Ich hätte es zu gerne wieder!

Ein Mädchen aus Kanada macht ein Auslandsschuljahr in Thailand, damals in den Achtzigern. Dank des Rotary-Clubs bekam sie ein Stipendium, landet dann aber im unbekannten thailändischen Norden und muss jede Menge mitmachen. Das war mal ein Buch, das mir in CM geholfen hat! Sprachschwierigkeiten, kulturelle und kulinarische Probleme… Die Autorin und ich machten teilweise genau das gleiche durch.

Es hatte irgendetwas mit Drache im Titel… glaub ich… Hoffentlich kennst du es?

Und noch eine Zigarette…

Auch wenn ich das dritte Buch nicht mehr benenne kann, die anderen beiden kann ich dir wirklich empfehlen. Sie sind informativ, unterhaltsam und schön zu lesen. Nicht nur, wenn du an Fernweh leidest, sondern auch, wenn du Lust auf neue Welten hast.

Kannst du mir andere Bücher über Thailand empfehlen? Oder kennst du eines der Bücher? Wie gefallen dir die Vorschläge?

Dreaming of #thailand and #book #blogging. #wanderlust! #gebrauchsawnweisung #lesereise

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7 Kommentare

  • Jasmin says:

    Liebe Anne,
    mit diesem Post weckst du unheimliches Fernweh in mir 🙂
    Leider kenn ich das dritte Buch nicht und deshalb kann ich dir auch nicht mit dem Titel helfen. Die Geschichte hört sich aber spannend an 🙂
    Heute soll es wieder bei uns schneien! Unglaublich, ich habe einfach keine Lust mehr auf Schnee 😀
    Liebe Grüße und einen guten Wochenstart!
    PS: Oh jeeehhh, ich wünsche dir ganz gute Besserung und hoffe, der Herd ist bald wieder einsatzfähig. Habe gerade deinen Newsletter gelesen… ah, es wird also ein Krimi 🙂 Ich bin ja gespannt 😉
    Jasmin

    • Anne says:

      Hallo Jasmin,
      echt, keine Lust mehr auf Schnee? Hat es denn geschneit? Bei uns ist es nur meeegakalt und eiswindig!
      Ich hab grad auch soo großes Fernweh… die Posts kommen nicht von ungefähr 😉
      Danke! Den Herd benutzen wir jetzt so lange, bis er total auseinanderfällt. Er wurde schick geklebt, uiuiui, Chaosküche…
      Freut mich, dass du den Newsletter gelesen hast 🙂
      Anne

  • Johanna says:

    Hallo Anne,
    wie sollte man sich denn in Thailand anziehen? Und wie ziehen sich die Leute an, die nicht wissen, wie man sich anziehen soll? Da hast du jetzt meine Neugier geweckt. Ich habe doch keine Ahnung von Thailand… 😉
    LG Johanna

    • Anne says:

      Oh je, nachher traust du dich wegen mir nie dahin! Naja, die Männer sollten z.B. nie ohne Shirt rumlaufen. Und die Mädchen sollten sich trotz Hitze nicht wie Bezahlbare kleiden. Thais sind immer sehr elegant und legen viel Wert auf ihr Äußeres. Rumrennen wie ein Penner ist ein Zeichen von Respektlosigkeit. Wie eigentlich überall auch, nur im Thailandurlaub ticken manche plötzlich aus 😉

  • liebe Anne,
    auch wenn ich gerade unter der Sonne Indiens liege und ich mich wohl nicht beklagen kann, könnte ich mir einen Abstecher nach Indien wirklich sehr gut vorstellen. deine Buchempfehlungen machen Lust auf mehr! 🙂

    zwei Bücher, die ich vor meiner Reise nochmal in der Hand hatte waren „Der Elefant, der das Glück vergaß“ und „Die Kuh, die weinte“ von Ajahn Brahm … vl findet du Gefallen an buddhistischen Geschichten und Weisheiten 🙂

    <3 Tina
    https://liebewasist.wordpress.com/

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