Warum ich meinen Beamtenjob nicht vermisse

9.
März
2016

11 Kommentare

Nun ist es über ein halbes Jahr her, dass ich DEN großen Schritt gewagt und meinen Beamtenjob gekündigt habe.

Gib’s zu, wenn du das noch nicht wusstest, dann hab ich dich mit dieser Neuigkeit gerade schockiert 😉 Wer kündigt schon einen Beamtenjob? Und dann auch noch kurz vor der Verbeamtung auf Lebenszeit? Wenn du mich jetzt also für verrückt erklärst, dann kannst du dir sicher sein, dass du mit dieser Meinung nicht alleine bist.

Schließlich habe ich eine Menge aufgegeben.

Einen sicheren, unkündbaren Job. Noch dazu ein Job, in dem ich reichlich Geld verdiene. Und einer, in dem man ganz leicht Teilzeit arbeiten kann – und dabei immer noch genug Geld verdient. Also einen sicheren, unkündbaren, gut bezahlten Job.

Offensichtlich war mir das nicht genug. Ich habe ihn trotzdem an den Nagel gehängt.

Ich habe dieses Leben gehasst, in dem ich aufgrund meines Beamtenjobs als Lehrer gesteckt habe.

Ich musste Stunden meines Tages investieren, die ich in der Schule verbrachte, zuhause am Schreibtisch über eigener Planung oder über Korrekturen. Ich musste zu Konferenzen und Gesprächen, musste immer abrufbereit sein. Noch dazu wurde meine Arbeit nie geschätzt: Irgendwie war ich immer die Dumme (tja, wie Lehrer das eben so oft sind – gehasst von Schülern, Eltern und Kollegen. Und manchmal auch von den Chefs). Ich musste mich an die Regeln anderer (=Lehrpläne) halten und Vieles tun, das ich weder nachvollziehen noch befürworten konnte. Meistens musste ich übrigens auch am Wochenende richtig arbeiten.

Dazu kam: Ich war weit weg von meiner Familie und Freunden, am ganz anderen Ende von Deutschland. Nur, um einen solchen Job zu haben.

In meinem Job wurden mir nicht nur alle Freiheiten genommen (ich war total fremdbestimmt), sondern ich war auch noch von allen getrennt, die ich liebe und brauche.

Eins kam zum Anderen, mit dem Ergebnis, dass es für mich eben überhaupt nicht passte. Also zog ich die logische Konsequenz und kündigte.

Sicher, ich hätte die Weichspülervariante wählen können: Weniger Stunden. Mich an eine andere Schule versetzen lassen können. Und und und.

Doch ich wusste, dass dieses Leben eigentlich nie das war, das ich mir erträumt hatte. Ich wollte alleine über mein Leben entscheiden, jederzeit. Ich wollte mich nicht an Regeln halten, die ich richtig s****** finde. Ich wollte nie meinwarum ich meinen beamtenjob nicht vermisse Leben in ein paar spärliche Stunden am Sonntag packen oder mich tagein, tagaus mit irgendwelchen Leuten über irgendein Thema streiten. Oder ständig disziplinierende Maßnahmen ergreifen, um am Ende des Tages enttäuscht und ausgelaugt nach Hause zu kommen.

Es hat einfach nie zu mir gepasst.

Wie heißt es? Wenn das Kleid nicht perfekt passt, dann lass los. Klick um zu Tweeten

Genau so war das mit mir und meinem Beamtenjob: Es hat einfach nie 100%ig gepasst. Und deshalb vermisse ich nichts.

Wofür haben dich die Leute um dich herum schon für verrückt erklärt? Was hältst du von meiner Entscheidung? Wärst du bereit, all diese Dinge aufzugeben? Wofür erklärte dich dein Umfeld für verrückt? Und außerdem: Was geht bei dir? 

Stichwörter: ,

Kategorien:

11 Kommentare

  • Johanna says:

    Hallo Anne,
    ich kann voll verstehen, dass es dir in der Schule als Lehrer nicht gefallen hat. Mit hat es in der Schule auch nie gefallen, deshalb habe ich schon als Schüler alles hingeschmissen. An Schulen gibt es einfach viel zu viele Regelen, anscheinend für alle Beteiligten, und niemand scheint richtig zufrieden zu sein, weder die Schüler noch die Lehrer. Das ist echt schade, weil Bildung eigentlich voll wichtig ist und somit auch der Beruf Lehrer.
    Vielleicht werden Schulen ja irgendwann mal angenehmer, sowohl für Schüler als auch für Lehrer. 🙂
    LG Johanna

    • Anne says:

      Hi Johanna,
      echt, du hast di Schule geschmissen? Oder hab ich dich falsch verstanden?
      Dann sind wir jetzt ja schon zwei 😉
      Herzliches Grüßle, Anne

    • Johanna says:

      Ja, das hast du richtig verstanden. Ich habe die Schule geschmissen. Nach über sieben Monaten Auszeit in England und einmal tief durchatemen, habe ich mich allerdings nochmal auf eine andere Schule gewagt und habe dort schließlich auch einen ordentlichen Abschluss gemacht. 😉

  • Jasmin says:

    Liebe Anne,
    sehr schöner Post! Ich bewundere dich für deine Ehrlichkeit! Ich dachte immer, Lehrer zu sein, wäre so unanstrengend und toll. Viel Urlaub und eben alles andere, was du bereits erwähnt hast. Du hast mir jetzt wirklich die Augen geöffnet und ich hätte an deiner Stelle gleich gehandelt. Ich bin auch der Meinung, dass man „Altlasten“ wegkicken sollte und sich auf eine bessere Zukunft einlassen sollte, auch wenn es für andere nicht so ausschaut.
    Ja, ich wurde schon sehr oft in meinem Leben für verrückt erklärt. Z.B. als ich den Leuten in meinem Umfeld erzählt habe, dass ich mit meinem Freund nach nur einem Tag zusammengezogen bin. Ich hatte schon immer einen sehr starken Charakter und habe immer das gemacht, was ich wollte. Meine Freunde kennen mich inzwischen und grinsen nur noch, wenn ich wieder eine „spinnerte“ Idee habe. Aber sie bewundern mich auch oft, weil sie wissen, dass immer sehr hart und ernsthaft an neuen Plänen arbeite.
    Viele liebe Grüße
    Jasmin

    • Anne says:

      Hi Jasmin,
      ich bin gerade immer noch von der Tiramisu-Beicht schockiert 😉 Danke, dass du mich verstehst. Ja, stimmt – Neues heißt eigentlich auch immer daran arbeiten. Vielleicht bewundern sie dich ja auch, weil du so mutig bist und einfach machst? Das mit deinem Mann finde ich immer noch genial! Zu gern würd ich da mal die ganze Gecshichte hören!
      <3 Anne

  • Julia says:

    Manchmal muss man eben auch solche Entscheidungen treffen. Das erfordert meist viel Mut, aber irgendwann führt eines zum anderen und man weiß, dass man das Richtige getan hat.
    Ich wünsche dir jedenfalls ganz viel Erfolg 🙂

    Liebe Grüße,
    Julia

  • Debby says:

    Ach wie schön das von dir zu lesen… Ich hab vor 1.5 Jahren auch meinen Job als Lehrerin hingeschmissen… Und ja – da kommt mir sehr vieles was du da schreibst sehr bekannt vor… =) Ich habe mich dazumal für einen „unsicheren“ Job entschieden der mir zwar viel weniger Lohn bringt und Arbeitszeiten hat, die auch nicht immer toll sind… Aber es macht mir einfach so extrem Spass und meine „Lebensqualität“ die hat sich so extrem gesteigert in dieser Zeit… Ich würde es wieder genau gleich machen… Manchmal braucht es einfach Mut – und dann wird man dafür belohnt… =)
    (Bin neu auf deinem Blog gelandet und hab mich noch nicht überall durchgelesen… Aber was machst du denn jetzt? *gwundrigbin* =))
    Habs gut,
    liebe Grüsse Debby

    • Anne says:

      Hallo Debby,
      WIE COOL, eine Gleichgesinnte! Wir sind ja richtige seltene Exemplare, wir Ex-Lehrer! Wie war das bei dir? Wie kam es zu deiner Entscheidung? Da bin ich gleich super neugierig! Hattest du den anderen Job schon, als du gekündigt hattest?
      Ganz bin ich noch nicht „weg vom Unterrichten“: Jetzt unterrichte ich DaF, aktuell hauptsächlich Flüchtlinge. Erwachsene und auch nicht in einer Schule. Ganz andere Leute und ganz andere Rahmenbedingungen, das macht allein dadurch viel mehr Spaß. Daneben schreibe ich viel, nicht nur auf dem Blog, und bin auch noch im Marketing beschäftigt. Jede Menge also. Eigentlich arbeite ich nicht weniger als zuvor, sondern vielleicht sogar mehr, aber trotzdem so viel mehr Leben… Mal schauen, was noch kommt! Seitdem bin ich mir sicher, dass sich alles immer ergibt und dass es eigentlich keine Katastrophen geben kann 😉
      Schön, dass du hier gelandet und am Durchlesen bist 🙂
      Liebe Grüße, Anne

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.