Demokratie bedeutet… einfach ALLES

20.
Mai
2019

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Ein Burmese geht in Thailand zum Zahnarzt. Der Zahnarzt will ihn untersuchen. Doch das geht nicht, denn der Burmese sagt: „Doktor, ich darf meinen Mund nicht aufmachen!“

Diesen Witz erzählten die Moustache Brothers 2013 während ihres Bühnenprogramms in Mandalay. Der Witz war alt und stammte aus der Zeit der Militärdiktatur, doch bis 2013 hatte er wenig von seiner Aktualität eingebüßt.

So durfte uns zum Beispiel unser burmesischer Freund nicht mit in den Veranstaltungsraum begleiten, denn Kabarett war nur Touristen wie uns erlaubt.

Das war einer der Momente, in denen ich dankbar war, Bürger eines demokratischen Landes zu sein.

Der nächste Moment stellte sich ca. ein halbes Jahr später ein.

Militärputsch!

Ich lebte damals noch in Thailand und wir verbrachten einen herrlichen Sonntag: bummeln, Kaffee, die Seele baumeln lassen… Abends auf dem Rückweg konnte dann das Tuktuk nicht in unsere Richtung fahren, überall Straßensperrren. Über Schleichwege kamen wir zuhause an und gingen dann erstmal gucken, was los war.

Alle großen Straßen abgesperrt, Panzer und bewaffnete Soldaten überall.

Wir waren ein paar Stunden bummeln und waren nun in einem Paralleluniversum!

Nichts wie heim, irgendwie rausfinden, was abging… So wurde uns dann klar, dass das Militär während unseres Einkaufsbummels die Macht übernommen hatte.

Und auf einmal lebten wir unter einer Militärdiktatur, unter der niemand wusste, was passierte oder was auf uns zukäme. Plus Maschinengewehre überall.

An Informationen zu kommen, war fast unmöglich – gerade als Ausländer. Also hielten wir uns einfach bedeckt. Ich hatte Angst, tatsächlich, und fühlte mich verdammt verunsichert. Überhaupt nicht mehr wohl.

Irgendwie beruhigte sich die Lage, die Präsenz der Maschinengewehre ging zurück und wir schauten uns die Panzer sogar aus der Nähe an. Geschäftstüchtige Eisverkäufer machten großen Reibach mit den Soldaten und auch viele Garküchenbesitzer machten großen Umsatz. Schnell wurde das alles normal.

Ein paar Wochen später wollte ich an einem freien Tag einen Ausflug unternehmen. Ich war müde und spät dran, ging verschlafen zu meinem Moped – da sah ich aus den Augenwinkeln, wie aus dem Nachbarhaus richtig viele Maschinengewehr rannten. Und nochmal so viele waren da schon oben auf dem Dach.

Fast panisch drehte ich mich um, rannte ins Haus zurück. Einer meiner Nachbarn wartete im Flur und erklärte mir, dass die Soldaten die Häuser auf illegale Einwanderer absuchten und auch in unser Haus gewollt hätten, aber ausnahmsweise sei an diesem Morgen die Eingangstür verschlossen gewesen.

#DHMDemokratie

Unter #DHMDemokratie wird die Frage gestellt: Was bedeutet dir Demokratie? Daher auch der Titel dieses Posts, denn: Demokratie bedeutet einfach ALLES.

Es bedeutet,

  • dass ich wählen gehen darf und dass meine Stimme wichtig ist
  • dass ich meine Meinung frei äußern darf
  • dass ich demonstrieren darf
  • dass ich nicht überwacht werde – nicht von Nachbarn, „Freunden“ oder dem Internet
  • dass ich auch Pflichten habe, wählen zu gehen oder mich zu informieren
  • dass ich mich in einem sicheren, geschützten Rahmen bewegen kann – ohne plötzlich auftauchende Soldaten

und so viel mehr…

Demokratie ist eine der großen Sachen, für die es sich zu kämpfen lohnt.

Gleichzeitig ist Demokratie eine Sache, die uns braucht. Wir müssen über sie sprechen, wir müssen vermeiden, dass die Demokratie an Relevanz einbüßt. Wir müssen dem Stanntischgeschwätz entgegen halten und unsere Argumente auch dann anbringen, wenn sie in der Luft verpuffen, weil der Stammtischbruder sie nicht hören will. Wir müssen uns streiten und dürfen nicht schweigen.

Passend dazu feiert übrigens das Grundgesetz seinen 70. Geburtstag! Amnesty International feiert das mit seiner Aktion Dein X für Menschenrechte – noch ist Zeit, mit zu machen!

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