Hot to know: Sich eine Meinung bilden

29.
Januar
2016

2 Kommentare

Nun ist also wieder eine Woche vorbei.

Teilweise hängen mir die Nachrichten und die Reaktionen der Leute auf Angelegenheiten wie zum Beispiel #koeln dermaßen zum Hals raus, dass nur noch Abschalten und Ignorieren hilft. Zu den Sprüchen, die ich gar nicht mehr hören kann, gehört eindeutig dieser: „Jeder hat ein Recht auf eine Meinung, ob er gebildet oder dumm ist.“

Ja, sicher. Jeder hat das Recht auf eine Meinung, deshalb leben wir in einer verfluchten Demokratie. Wir dürfen sagen, sein, küssen was und wen wir wollen. Ohne mit Verfolgung, Exekution oder Sonstigem zu rechnen. Wir dürfen einfach sein.

Das ist auch verdammt gut so und das soll sich verdammt noch mal nicht ändern, nie.

Aber das ist NICHT Demokratie

Aber eine Demokratie besteht nicht nur aus Nehmen, aus dem Sich-Hinstellen-und-fordern. Nein, verdammt nochmal, das ist keine verfluchte Demokratie. In einer Demokratie habe ich sämtliche Rechte, doch dafür habe ich auch – wie überall im Leben – Pflichten. Und eine meiner Pflichten als mündiger Bürger, der sich eine Meinung erlauben darf, ist nun einmal die, mir eine Meinung bilden zu können.

Zauberwort können – Nicht jeder KANN sich eine Meinung bilden. Sich eine Meinung bilden, das heißt zuallererst mal, sich über die Sachlage zu informieren. Verschiedene Quellen zurate zu ziehen, verlässliche Quellen. Virale Inhalte mit reißerischen Überschriften auf Facebook gelten nicht als verlässliche Quellen.

Durch das Aufnehmen verschiedener Positionen, das Beleuchten verschiedener Aspekte und das Berücksichtigen verschiedener Thesen – so kann ich mir schließlich eine Meinung bilden.

Sich eine Meinung bilden ist also ein verflucht vielfältiger Prozess. Nein, den beherrscht nicht jeder dahergelaufene Simpel, den man gerne am Stammtisch findet. Wobei, neurdings muss dieser Simpel sich ja gar nicht mehr am Stammtisch verstecken – momentan sind unqualifizierte Meinungen und dahergelaufene Simpel ja die, die ihre Meinung heraus posaunen, die, die man am lautesten hört. Die, die die aktuelle gedankliche Strömungen in Deutschland repräsentieren und das Deutschland-Bild nach außen tragen.

Mich repräsentieren sie nicht. Und euch sollen sie auch nicht repräsentieren.

Sich eine Meinung bilden

Rechte und Pflichten

Ihr kommt euren Pflichten als mündiger Bürger nach. Ihr lest, ihr informiert euch. Oder hört Radio, verfolgt die Nachrichten. Habt euer Flipbook entsprechend organisiert oder ladet die entsprechenden Feeds auf Twitter. Ihr wisst, was auf der Welt passiert, wenn auch nicht immer im Detail. Ihr schreit nicht in der Gegend rum, dass ihr eigentlich ein Menschenfreund seid, ihr die ganzen kriminellen Ausländer aber am liebsten vergasen möchtet. Ihr gründet eure Meinung auf eurem Wissen, nicht auf einem ersten Impuls, der euch durch die Nervenbahnen schießt. Ihr seid schlauer als der gemeine Simpel.

Und ihr habt – genau wie ich – noch eine weitere Pflicht: Macht sie mundtot, diese Simpel. Argumentiert sie in Grund und Boden. Macht ihnen klar, dass „eine Meinung haben“ nicht gleich zu setzen ist wie „gegen andere hetzen“. Dass sie sich die scheiß Zeitung schnappen sollen, die in der Kneipe rumliegt, und doch mal ihre Nase da rein stecken sollen. Und dass es auch nicht verkehrt ist, einfach mal die Fresse zu halten – vor allem dann, wenn man nichts zu sagen hat.

Das ist nicht mein Land

Aus dieser Ich-fühle-mich-wie-Angela-Merkel-Phase komme ich nämlich gerade nicht raus: Das ist nicht mein Land.

Mein Land, in dem 2006 ein Sommermärchen geschrieben wurde. Mein Land, das Dichter wie Goethe und Philosophen wie Hannah Arendt hervor gebracht hat. Mein Land, in dem der Sozialstaat sich um seine Einwohner kümmert und das uns immer auffängt, wenn wir alleine nicht mehr auf die Füße kommen. Mein Land, das laut Paragraph 1 des Grundgesetzes die Menschenwürde als höchstes Gut betrachtet. Mein Land, in dem wir in einer Demokratie leben und in dem wir alle sein dürfen, wie wir sind.

Ist das nicht auch dein Land???

 

Kategorien:

2 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.