Hot to know: Syrien

11.
Dezember
2015

3 Kommentare

Heute gibt es den Wochenrückblick in einer nicht-typischen Form. Kurze Blitz-Zusammenfassung: Chaos im Lageso führt zu Rücktritt, Frankreich versinnbildlicht den Untergang des gebildeten Abendlandes, Wort des Jahres ist „Flüchtling“ und der Streit darüber will sowieso nicht enden.

Ehrlich gesagt – ich kann gar nicht mehr aufhören, mich zu fragen, wo das alles enden soll.

Da hilft nur eines: WIR MÜSSEN VERSTEHEN.

Also werden bis Weihnachten ein paar Beiträge hier auf dem Blog folgen, die uns helfen sollen, zu verstehen. Bei meinen Texten werde ich mich um Objektivität und sachliche Darstellung bemühen. Wenn ihr mehr wisst als ich und was ergänzen wollt, her damit und rein in die Kommentare, auf Facebook oder als mail. Notfalls kann ich  nachträglich noch was hinzufügen oder so…

Heute den Auftakt: Syrien

Dieses große, uns unbekannte Land im Nahen Osten, aus dem die meisten Flüchtlinge kommen. Die wenigsten unter uns, die gerne reisen, werden schon in Syrien gewesen sein. Wir wissen verdammt wenig über dieses Land.

Syrien grenzt im Norden an die Türkei an und an noch ein paar andere Länder. Städte wie Aleppo, Homs und Damaskus wiederum dürften den meisten ein Begriff sein, da sie doch im Zusammenhang mit der jüngsten Geschichte häufiger in den Nachrichten auftauchen.

Syrien befindet sich seit dem arabischen Frühling im Bürgerkrieg.

syrien

Doch dies ist bei weitem nicht alles, was Syrien ausmacht.

Werfen wir einen Blick auf die Kultur des Landes, die jetzt leider nach und nach zerstört wird.

Denn seine Kultur macht doch ein Land aus!

Mate kennen bestimmt einige von euch. Gerade die, die wie ich auch, mal in Argentinien oder Uruguay waren. Da trinkt jeder Mate: Ein Tee, der in einer kleinen runden, speziellen Tasse zubereitet wird. Heißes Wasser wird immer wieder nach gegossen und der fertige Tee wird in gemütlicher Runde aus einem speziellen Strohhalm geschlürft. Ein nettes soziales Ritual, bei dem geplaudert wird und vielleicht eine Zigarette geteilt wird.

Auch im Westen von Syrien wird Mate getrunken und steht auch dort sinnbildlich für das nette Zusammensein mit Freunden und Gesprächen über Gott und die Welt.

Syrisches Essen habe ich bisher nur ein bisschen probiert, ich habe es mir aber ausführlich beschreiben lassen. Viel Gemüse und viele Gewürze. Ein Gebäck erinnert mich an Lebkuchen, es schmeckt aber sogar besser: Kliege (gesprochen [kläische]).

Damaskus, kulturelles Zentrum, hatte einst den Status einer Metropole wie Paris. Die Uni dort war besonders bei internationalen Studenten beliebt, die arabisch lernen und ins Ausland wollten. Damaskus muss nahezu von diesen Studenten überflutet gewesen sein. Bis vor fünf Jahren dann alle fluchtartig die Stadt verlassen haben.

Neben der Uni und der jahrtausendalten Bildung werden aber auch antike Stätten zerstört, zum Beispiel die Ruinen bei Palmyra.

Wie ich das so mitbekomme, spielt Musik eine große Rolle im syrischen Leben. Sie lieben Musik! Vor allem langsame, die meiner Vermutung nach schmachtende Liebeslieder sind.

Noch ein Wort zur Sprache: In Syrien wird hocharabisch gesprochen. Eine mega komplexe Sache, sag ich euch! Auf die erste grammatikalische Schwierigkeit – wenn sie denn die Schrift gelernt haben – treffen Lerner bereits beim Plural: Den gibt es in der regelmäßigen Variante, was im Deutschen etwa „ein Tisch – zwei Tische“ entspricht. Leider gibt es die regelmäßige Variante fast nie – warum nennt man sie dann regelmäßig…? Viel häufiger ist der gebrochene Plural und der hats in sich…

Die Flüchtlinge, die herkommen und „nicht lesen können“ sind in der Regel keine Analphabeten, sondern sind einfach in einer anderen Schrift zuhause. Ich muss an dieser Stelle zugeben: Ich war während der zwei thailändischen Jahre auch ein Analphabet und kann thai bis heute zwar ein bisschen sprechen, aber weder lesen noch schreiben.

Die Politik

Schon lange/immer(?!?) beherrscht eine Partei autokratisch das Land. Diese Partei ist die des berühmten Assad.

Wahlen waren dort also noch nie so ein großes Thema, geschweige denn mehrere große Parteien nebeneinander wie bei uns SPD; CDU; Grüne…

Das Regime war bereits vor dem arabischen Frühling ein repressives, doch mit den Demonstrationen im Zusammenhang mit dem arabischen Frühling hat sich alles verschärft und mündete im Bürgerkrieg. Vielleicht erinnert ihr euch an Assads berühmte Gasbomben, wegen derer die UN mal ne Aufklärungsmission geschickt hat?

Stellenweise führt dieser Bürgerkrieg auch dazu, dass manche Städte tage-, wochen- oder monatelang kein Wasser haben, keinen Strom. Leben wie im Mittelalter 2.0 – denn nebenbei fallen nach wie vor Bomben.

Über das andere Übel in Syrien muss ich weniger Worte verlieren, denn spätestens seit Paris müsste ISIS in aller Munde sein.

Ob jetzt manche sich ISIS angeschlossen haben, um den Kampf gegen Assad zu gewinnen – ich habe drüber gelesen, aber ehrlich gesagt weiß ich es nicht und weiß auch nicht, wie vertrauenswürdig solche Nachrichten sind. Deshalb dazu kein Kommentar.

Diese zwei Gründe führen jedoch dazu, dass so viele aus Syrien fliehen und hier in Europa stranden.

Die anderen Interessen

Dazu kommt, dass scheinbar jedes Land im Nahen Osten seine eigenen Interessen in Syrien hat.

Die Saudis unterstützen radikale Sunniten und damit vermutlich auch ISIS.

Der Machthaber im Iran stellt angeblich so etwas wie Al Pacino in „Der Pate“ dar – und lässt wohl auch Syrien nach seiner Pfeife tanzen. Ihr merkt an den Formulierungen, dass ich mich auf Gehörtes beziehe und mir selbst nicht sicher bin, was ich davon halten soll/kann.

Fakt ist:

Syrien ist hin- und hergerissen zwischen externen Interessen, Assad und ISIS. Darunter leiden eine wunderbare Kultur und all die Menschen, die Syrien als ihre Heimat bezeichnen.

Was meint ihr? Was muss ergänzt werden?

Was wusstet ihr schon, was wusstet ihr noch nicht?

Informationen des Auswärtigen Amtes findet ihr übrigens hier, die sind meiner Meinung nach sinnvoller als Wikipedia um Rat zu fragen.

Stichwörter: , , ,

Kategorien:

3 Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.