Zum Weltelefantentag

12.
August
2016

12 Kommentare

Heute ist Weltelefantentag und weil gerade im Norden Thailands der Besuch eines Elefantencamps zum Pflichtprogramm gehört, möchte ich diesen Tag zum Anlass nehmen, um zu fragen, wie tierfreundlich diese ganzen Elefantencamps eigentlich sind.

Elefantencamp

Lage des Camps in den Bergen

Elefantencamps waren in den letzten Jahren teilweise sogar der einzige Grund für Touristen, den Norden Thailands überhaupt anzusteuern. Korrigiert mich, wenn ich falsch liege, aber zumindest ist das mein Eindruck. Nirgendwo sonst in Thailand sind die sogenannten Mahoud-Trainings so weit verbreitet und so beliebt wie im Norden.

Elefanten im Süden Thailands

Auch auf den Inseln und in beliebten Touristengebieten gibt es natürlich Elefantenreiten. Oder eben die Elefanten, die an der Leine wie ein Hund durch die nächtliche Khaosan in Bangkok spazieren geführt werden und möglichst viele Touristen beeindrucken sollen. Doch zurück zum Elefantenreiten im Süden!

Da Elefanten groß und wackelig sind, wird ihnen oft ein großer Korb, der als Sattel fungieren soll, auf den Rücken geschnallt. Im Süden ist das hauptsächlich der Fall. Zwei Reiter sitzen dann in diesem Sattel und werden von dem Elefant ein Stück weit getragen. Diese Variante des Elefantenritts ist die tier-unfreundlichste Methode. Der Elefant wird meist – ohne dass es der Tourist sieht – vom Mahoud (=der Elefantentrainer) mit einem spitzen Stock, einer Art Hacke, von hinten angetrieben. Er hat keine Abwechslung und null eigene Motivation.

Also: Wenn du einen Ritt auf dem Elefanten buchst, solltest du unbedingt danach fragen, ob der Elefenat einen Korb hat oder nicht! Ohne Korb ist ein gutes Zeichen und ist die tierfreundlichere Variante. Im Süden gibt es die meines Wissens sehr selten.

Geht gar nicht: Show-Elefanten

Noch schlimmer sind allerdings die Elefantenshows. Elefanten müssen mit dem Rüssel malen oder Fußball spielen.

Ich glaube, von der Anforderung an sie ist das gar nicht so schlimm, denn sie gelten als intelligente Tiere und lernen wohl gerne dazu. Schlimm ist aber die Art, wie ihnen das beigebracht wird und wie sie zum Vorführen gezwungen werden. Da ich nie in so einer Show war und auch nie gehen würde, kann ich hier nur Hörensagen wiedergeben, aber die berühmte spitze Hacke ist wohl im Dauereinsatz.

Elefant

Kleiner Elefant im Camp

Tierfreundlichere Elefantencamps im Norden

Im Norden ist es oft anders als im Süden – wobei du dich auch hier gezielt erkundigen musst, wie die Tiere gehalten und geritten werden, denn die Körbe gibt es schon auch. Übrigens meist in Verbindung mit anderen Programmpunkten auf einer Tagestour: Buchst du z.B. ein Trekking zum Wasserfall XY, eine Raftingfahrt und einen Elefantenritt an einem Tag, dann sind das in der Regel „Korb-Elefanten“. Du siehst schon an den vielen Programmpunkten, dass eigentlich keiner der Punkte besonders viel Zeit verschlingen darf und „Korbritte“ funktionieren einfacher und schneller.

Die – meiner Meinung nach – tierfreundlicheren Elefantencamps bieten in der Regel nur komplette Tage an, manche sogar 2-3 Tage, mit Übernachtung.

Du kommst morgens an, lernst die Elefanten kennen, die im Camp locker an einem Seil angebunden sind. Sie haben eine Art Stall, Futter liegt da und immer wieder werden sie mit Wasser abgespritzt, um die Temperaturen gut aushalten zu können. Dabei wird dann meist schon ein bisschen gespielt.

Es gibt mehrere Mahouds, im Idealfall einer für jeden Elefanten. Mahoud und Elefant haben dann idealerweise eine liebevolle Beziehung, ähnlich wie Herrchen und Hund. Weil sie sich schon lange kennen und sich dieser Mahoud immer um diesen Elefanten kümmert. Der Mahoud redet mit dem Elefant und du hast tatsächlich den Eindruck, als würde der Elefant auf ihn reagieren. Das ist mit ein Grund, warum die berühmte spitze Hacke selten bis gar nicht zum Einsatz kommt.

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Unten siehst du mich auf meinem Elefanten mit seinem Mahoud, der sofort ins Wasserloch gerannt ist!

Am Vormittag machst du dann noch einen kleinen Ritt durch den Dschungel. Der Elefant darf stehen bleiben und fressen, wann immer er will. Deshalb dauert das alles eine ganze Weile 😉 Das Reiten auf dem wackligen, buckligen Elefantenrücken ist … hui! Manchmal dachte ich, sofort abzustürzen, aber der Rücken ist so breit! Zwischendrin streckte der Elefant immer wieder seinen Rüssel nach mir aus, tastete mich ab und sprühte manchmal Wasser auf mich.

Nach einer längeren Pause, in der die Elis fressen und fressen und fressen, geht es zum Nachmittagsritt. Man reitet kürzer als am Morgen, zu einem Wasserfall mit kleinem See. Dort badet der Elefant dann. Meiner zischte sofort ins Wasser, als er es gesehen hat. Hat sich hingelegt, rumgekugelt, geprustet, gespielt…! Sein Mahoud gab mir dann eine Bürste, um ihn abzuschrubben. Da der Elefant immer wieder sandiges Wasser auf sich gespritzt hat, war das wohl eine Art Peeling für ihn 🙂

Übrigens: Wenn du einmal ein Elefantencamp besucht hast, wird es im nächsten Jahr nicht mehr an der gleichen Stelle sein. Die Mahouds erzählten, dass sie ständig umziehen müssen, weil die Elefanten so viel fressen 😉

Insgesamt hatte ich einen guten Eindruck vom Verhältnis Mensch-Tier und auch den Eindruck, dass die Tiere gut behandelt werden.

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Mama und Baby Elefant beim Fressen

Ökologisch bewusst reisen

Ich finde, auch als Tourist sollte man ökologisch bewusst sein und sich fragen, ob das nötig ist, ob das Tier gequält wird oder ob die Bedingungen auch für das Tier okay sind. Klar, man kann auch prinzipiell darüber streiten, ob solche Elefantencamps überhaupt besucht werden sollen – denn sind Camps nicht immer schlechter als ein freies Leben in freier Wildbahn?

Von dieser Grundsatzfrage mal abgesehen finde ich es wichtig, sich dann ein Camp auszusuchen, in dem es den Tieren (zumindest dem Anschein nach) gut geht.

Auch meine Bloggerfreundinnen schrieben in den letzten Wochen über das Thema Tierfreundlichkeit:

Jasmin wurde Zeugin, wie ein kleines Hündchen in der Sommerhitze fast zu Tode gequält wurde, weil die Besitzer ahnungslos waren.

Johanna schrieb über Stierkämpfe in Spanien als Anti-Reise-Tipp und ich kann ihr da nur vollzustimmen!

Auch als Tourist sollte man nicht nur nehmen, zahlen, ohne drüber nachzudenken, sondern die Bedingungen und Umstände hinterfragen.

Was denkst du darüber? Warst du schon einmal in einem Elefantencamp?

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12 Kommentare

  • Jasmin says:

    Liebe Anne,
    oh, erst einmal danke für die Verlinkung! Ich werde deinen Beitrag sehr gerne wieder bei facebook teilen 🙂
    Ich muss jetzt dann gleich Abendessen, weil der Lachs im Backofen schon so weit ist. Es kann also sein, dass ich in einem zweiten Kommentar noch mehr zu deinem wundervollen Post schreibe 😉
    Ich finde es echt so super, wie du über dieses Thema schreibst! Chapeau! Ich habe selten einen so angenehmen, sachlichen Post gelesen, der das Thema Tierquälerei aufgreift, ohne große Emotionen und Tamtam. Einfach super! Und ich finde es toll, dass du dir auch Gedanken über Tierquälerei machst, wenn du in Urlaub gehst.
    Ich war ja schon mal in Sri Lanka und habe dort Elefantenwaisenhäuser besucht. Ich war da aber noch sehr jung und kann mich nicht mehr so gut erinnern.
    Besonders hat mir der Satz gefallen in dem du schreibst, dass es den Tiere in ihrer reinsten und freien Form immer noch am besten geht. Ich frage mich nämlich auch, ob allgemein Tierhaltung etwas Gutes ist und ich könnte stundenlang darüber philosophieren. Das tue ich eben aus diesem Grund, weil ich ja selbst zwei Hunde halte… so, jetzt muss ich erst mal essen. Melde mich aber später noch einmal 🙂

  • Jasmin says:

    So, jetzt bin ich wieder da 🙂
    Wollte eigentlich noch einen Kuchen backen, aber jetzt ist es mir dafür auch zu spät. Ich werde jetzt dann gleich ins Bett gehen, bin irgendwie total übermüdet.
    Ich finde deine Elefanten-Fotos sehr schön. Ich mag Elefanten und ich finde es schlimm, dass sie sogar heute noch gewildert werden. Deshalb ist es wohl manchmal auch ganz gut, wenn Tiere unter der Obhut von uns Menschen leben. Solange sie natürlich gut leben und man auch gut mit ihnen umgeht.
    Ich wünsche dir noch einen schönen Abend und bedanke mich für die ausführlichen Infos :-*
    Küsschen
    Jasmin

    • Anne says:

      Hallo Jasmin,
      na, ausgeschlafener? Abends Kuchen backen wär bei mir auch total zum Scheitern verurteilt, ich würde bestimmt einschlafen und den Kuchen vergessen 😉 Für heute Abend ist aber Zwetschgenmarmeladekochen geplant, mal sehen!
      Danke für deinen ausführlichen Kommentar! Ich finde, dein Text passt perfekt zum Thema! Ich finde auch, es gibt sehr viele Aspekte, die man berücksichtigen muss, wenn man über das Thema Tierhaltung nachdenkt. Das Wildern und der Schutz durch Menschen, die sie gut behandeln, ist ein Teil davon. Daher ist mir auch so wichtig, dass man zumindest den Eindruck hat, den Teren geht es gut und dass man bestimmte Sachen vermeidet.
      Da fllt mir noch ein anderes Beispiel ein, ebenfalls aus Chiang Mai: Dort gibt es Tiger Kingdom. Als Tourist gehst du dahin, schaust die Tiger an, wie in nem Zoo halt, und dann kannst du dich mit ihnen fotografieren lassen. Wenn du sie aufm Arm hast und so. Trotz allem, es sind Tiger, die wollen eigentlich nicht gestreichelt oder auf dem Arm gehalten werden, also werden ihnen Sedativa verabreicht, damit sie „brav“ bleiben. Hab mich immer geweigert, dorthin zu gehen und kann deshalb nicht aus Erfahrung sprechen. Verstehe nicht, wie man sowas unterstützen kann, denn das ist für mich eindeutig Tierquälerei.
      Fast überstürzt wollte ich sagen „Zoos sehe ich auch kritisch“, aber sofort fällt mir die andere Seite der Münze ein: Gute Zoos tun unglaublich viel für den Artenschutz und den Erhalt bestimmter Tierarten. Das kann man nun wirklich nicht verdammen!
      Naja, philosophieren kann man also wirklich stundenlang, und ich bin noch nichtmal bei der Grundsatzfrage angekommen 😉
      Wünsch dir einen tollen Sonntag, meine Liebe!
      Fühl dich gedrückt!

      • Jasmin says:

        Liebe Anne,
        das mit den Tigern fand ich auch schon immer schlimm. Und wenn wir gerade beim Thema Zoo sind, in Ingolstadt gibt es einen Zoo, da frage ich mich echt, warum sich der Tierschutz da mal nicht einsetzt. Für mich ist es reinste Tierquälerei und das Schlimme, es kümmert niemand. Die Tiere werden in viel zu kleinen Käfigen gehalten, die auch noch der prallen Sonne ausgesetzt sind und es ist dreckig dort, das glaubt kein Mensch. Wenn ich dann die Mütter mit ihren Kindern hinlaufen sehe, dann schüttel ich nur noch den Kopf. Ich muss ganz ehrlich sagen, ich bin komplett gegen Zoos. Etwas anderes sind in meinen Augen Tiergehege wo die Tiere viel Raum haben und sich auch vor den gaffenden Menschen zurückziehen können. Sowas gibt es in Freiburg… Mundenhof heißt das. Das finde ich ok, aber alles andere nicht und ich gehe auch gar nicht an solche Tierquälerorte, weil es mich einfach ur depressiv macht und weil ich es nicht unterstützen will.
        Artenschutz finde ich super, aber ist es nicht Ironie, dass der Mensch versucht zu retten, was er selbst zerstört? 😀 Mein Humor ist in dieser Hinsicht sehr schwarz – tiefschwarz 😉
        Wir haben morgen zum Glück Feiertag in Bayern, ich würde sonst mit meinem Programm gar nicht durchkommen. Dieses Wochenende war bis jetzt total komisch! Viel Arbeit, aber auch viel Zeit verloren und nicht vorangekommen, wie gewünscht. Na ja, ich hoffe, ich kann morgen ein bisschen mehr entspannen 🙂
        Viele Grüße, Küsschen und gute Nacht :-*
        Jasmin

        • Anne says:

          Morgen!
          Ja, es gibt echt schlimme Zoos! Der in Chiang Mai war auch meeeega übel. Kein Platz, kein Auslauf… Aber es geht auch anders, deshalb kann ich nicht komplett dagegen sein. Doch klar, fast schon herrlich ironisch, das mit dem retten, was wir selbst zerstören… Total paradox! Aber das Problem ist ja auch wieder, dass an vielen Stellen der Erde die Leute gar keine Ahnung haben, was sie anrichten und was für Folgen das hat. Wenn die in Asien z.B. Felder abbrennen, weil die das schon immer so machen. Oder anderswo Wälder abholzen oder so, weil das eben JETZT das Geld bringt, das zum Überleben gebraucht wird. Da haben wir echt ein riesiges Thema!
          Hab jetzt fast schon Lust, mir mal die Naturschutzverbünde hier in der Region anzuschauen…
          Oh, wow, was hast du denn noch alles vor??? Da muss ich gleich nochmal rüberhüpfen! So ne Website ist halt mega Arbeit und wenn es dann mal nicht läuft oder lange lädt und sogar der Informatik-affine-Mann mal keine Ahnung hat, dann dauert das noch länger! Jetzt bin ich aber gespannt und wünsch dir schon mal einen entspannteren Tag!
          :* Anne

          • Jasmin says:

            Liebe Anne,
            vielen Dank 🙂
            Ich hab jetzt schon ein riesen Stück geschafft. Werde jetzt dann mal Zumittag essen 🙂
            Ich sollte auch mal den Deutschen Tierverbund nach Ingolstadt schicken. Der komische Zoo hier hält Tiere, die total krank sind. Die Aras werden in einem kleinen Käfig gehalten wo sie nicht mal fliegen können, sondern nur dumm rumsitzen und die Aras haben sich auch schon komplett kahl gerupft. Für mich total unverständlich, dass man die armen Tiere nicht endlich mal befreit und verpflegt. Die Kaninchen werden in einem kleinen Käfig am Boden gehalten und können nur übereinander liegen, kein Platz für springen oder auch nur mal bewegen. Also es ist verdammt übel hier! Einfach nur traurig, dass sich kein Mensch um dieses Übel hier in Ingolstadt kümmert.
            Dir auch einen wunderschönen Tag :-*
            Viele liebe Grüße und Küsschen
            Jasmin

          • Anne says:

            Bizarr, dass es sowas in Deutschland tatsächlich noch gibt…

        • Jasmin says:

          Ja, ich finde es auch bizarr. Ich würde es nicht glauben, hätte ich es nicht mit meinen eigenen Augen gesehen…

  • liebe Anne,
    ich hatte ja nicht mal die Ahnung, dass es einen Weltelefantentag gibt – anderseits gibt es für vieles „Feiertage“ ohne dass man es weiß 😉

    meine Begegnung und Liebe mit Elefanten ist noch recht jung und auf meine Nepalreise zurückzuführen. ich habe die großen Dickhäuter dort lieben gelernt und seitdem begleiten sie mich …
    was man diesen Tieren mit Zirkusshows oder Elefantenreiten antut ist einfach grässlich! Tieren, die lange Zeit in Gefangenschaft leben entwickeln i.d.R. Verhaltensstörungen und besonders bei Elefanten ist sowas zu beobachten :/

    ❤ Tina
    https://liebewasist.wordpress.com/
    https://www.instagram.com/liebewasist/

  • Johanna says:

    Hallo Anne,
    den Beitrag finde ich super! Ich finde es nämlich wichtig, dass man als Tourist bzw. Reisender sich vorher über solche Themen informiert, um eben nicht zu Tierqälerei beizutragen. Die Tipps in deinem Artikel sind echt gut und wichtig!
    Danke auch für die Verlinkung. 🙂 Ich werde auch gleich noch einen Hinweis auf deinen Beitrag bei mir einbauen!
    LG Johanna

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